Die Schweiz ist geldpolitisch direkt von Entwicklungen in der EU betroffen sowie davon, was mit dem Euro geschieht. «Wir haben daher ein grosses Interesse daran, dass die strukturellen Probleme der EU gelöst werden und die Fortsetzung der wirtschaftlichen Erholung gelingt», sagte SNB-Präsident Thomas Jordan am Europa Forum Luzern laut Redetext.

Die Schweiz dürfe aber nicht einfach abwarten und sich auf Europa verlassen: «Sie muss sich als kleine offene Volkswirtschaft den wechselnden Bedingungen anpassen und ihre Hausaufgaben machen», so Jordan weiter. Seine Forderung: Die Unternehmen müssten weiterhin mit hoher Flexibilität agieren und alle Bereiche der Wirtschaftspolitik auch hierzulande für gute Rahmenbedingungen sorgen.

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Franken deutlich überbwertet

Und die Nationalbank wolle gleichzeitig weiterhin mittels ihrer «monetären Souveränität» ihren «Spielraum nutzen, um pragmatisch auf Herausforderungen zu reagieren». Bekanntlich basiert die hiesige Geldpolitik derzeit auf dem Negativzins und der Bereitschaft, am Devisenmarkt zu intervenieren, wie Jordan auch am Montag erneut bestätigte. Auch folgende Aussage wiederholte er: «Der Franken ist insgesamt aber nach wie vor deutlich überbewertet.»

Unkonventionelle Politik

Die Schweizerische Nationalbank habe in den vergangenen Jahren - wie die EZB und viele andere Zentralbanken auch - eine unkonventionelle Geldpolitik betrieben, so der Präsident des Direktoriums weiter. Den Anstoss gab die Finanz- und Schuldenkrise, welche die Zentralbanken veranlasste, die Zinssätze praktisch auf null zu senken und die Notenbankgeldmenge stark auszuweiten. Im Falle der Schweiz war die Krise zudem mit einer massiven Aufwertung des Frankens verbunden, weshalb es von September 2011 bis Januar 2015 einen Mindestkurs gegenüber dem Euro gab.

Mindestkurs dauerhaft nicht geeignet

Ein Mindestkurs sei als dauerhaftes Instrument nicht geeignet, doch könne er - in einer Phase extremer Verunsicherung, in der die eigene Währung gegenüber allen anderen Währungen klar überbewertet ist - den Märkten eine Leitplanke setzen und dazu beitragen, dass die monetären Bedingungen angemessen bleiben, so Jordan dazu.

Die Einführung des Euro war indes in der Schweiz kaum je ein Thema - trotz der engen wirtschaftlichen Verflechtung. Die Schweiz habe sich grundsätzlich für flexible Wechselkurse entschieden - ein Entscheid, der sich langfristig als richtig herausgestellt hat, sagte Jordan. Flexible Wechselkurse könnten allerdings mitunter beträchtlich schwanken.

Das Europa Forum setzt sich den Angaben nach seit über 20 Jahren für den konstruktiven Dialog von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik mit Europa ein. Ihm gehören unter dem Vorsitz des Stadtpräsidenten von Luzern der Kanton und die Stadt Luzern sowie private Körperschaften an.

(awp/chb)