Der derzeitige massive Eigenkapitalschwund der Schweizerischen Nationalbank (SNB) ist laut SNB-Vizepräsident Thomas Jordan kein Anlass zur Besorgnis. Die SNB bliebe auch noch bei einem negativen Eigenkapital «vollumfänglich handlungsfähig», betonte Jordan an einem Vortrag in Basel. Für Bund und Kantone könne es allerdings in Zukunft Jahre ohne Gewinnausschüttung geben.

«Die Nationalbank hat auf Basis der heutigen Bilanzstruktur eindeutig kein strukturelles Bilanzproblem», betonte der SNB-Vizepräsident laut Redetext. Ein allmählicher Wiederaufbau des Eigenkapitals sei zu erwarten. In nächster Zeit sei allerdings mit deutlich höheren Schwankungen des Jahresergebnisses zu rechnen: «Entsprechend unsicherer werden auch die Gewinnausschüttungen», warnte Jordan.

Die Nationalbank hatte in den letzten Jahren wegen Interventionen am Devisenmarkt ihre Devisenanlagen massiv ausgeweitet. Bewertungsverluste auf den Devisenanlagen wegen der Frankenstärke führten dazu, dass die SNB im Jahr 2010 und im ersten Halbjahr 2011 hohe Verluste ausweisen musste. Ein Teil der Währungsverluste sei mit der Festlegung eines Mindestkurses zum Euro wieder rückgängig gemacht worden, sagte Jordan: «Unsere Bilanz bleibt aber auch mit dem Mindestkurs anfällig auf Bewertungsänderungen.»

Grundsätzlich sei eine Zentralbank wie die SNB aber nicht mit einem privaten Unternehmen vergleichbar, erläuterte Jordan seinen Zuhörern: Denn sie gerate dank ihrer Möglichkeit «Geld zu drucken» nie in Liquiditätsengpässe. Ein weiteres Merkmal von Zentralbanken sei, dass sie im langfristigen Durchschnitt stets Gewinne erwirtschafteten, die sogenannte «Seigniorage». Der Hauptgrund dafür liege darin, dass dank des Notenmonopols die Finanzierung der Aktiven für eine Zentralbank praktisch gratis ist.

Mittel- bis langfristig würden die Zinserträge und Dividenden bei der SNB dazu führen, dass die Bewertungsverluste auf den Devisenbeständen Schritt für Schritt kompensiert würden, versicherte Jordan. «Sogar bei markanten Wechselkursverlusten wird das langfristig strukturelle Gewinnpotenzial der SNB kaum eingeschränkt.»

Die jüngsten Verluste dürften dennoch «keinesfalls verharmlost» werden, räumte er ein. Denn ein Zustand von negativem Eigenkapital, der längere Zeit anhalte, könne auch für eine Zentralbank problematisch werden: «Bleibt ein Zustand negativer Seigniorage dauerhaft bestehen, wird sie gezwungen, Geld zu schöpfen, um die laufenden Kosten zu decken.»

Dadurch verliere die Zentralbank die Kontrolle über die Geldpolitik und es entstünden Inflationsgefahren. Für die SNB sei es zentral, ihr Eigenkapital nach Verlusten möglichst rasch wieder aufzubauen.

(laf/tno/awp)