Über zwei Wochen waren die Analysten des Internationalen Währungsfonds (IWF) Ende Mai auf Mission in der kriegsgeplagten Ukraine, um die wirtschaftlichen Verhältnisse dort zu erkunden. Die nun veröffentlichten Ergebnisse sind brutal: Um 9 Prozent dürfte das Bruttoinlandprodukt in dem osteuropäischen Land 2015 einbrechen.

Zum Vergleich: Bislang war man in Kiew noch von einem BIP-Rückgang in Höhe von 5.5 Prozent ausgegangen. Der anhaltende Konflikt im Osten des Landes drückte die Wirtschaft im ersten Quartal des Jahres «stärker als erwartet nach unten», schloss IWF-Missionsleiter Nikolai Guerguiew. Das Umfeld sei «ausserordentlich schwierig». Entsprechend deutlich senkte der Fonds seine BIP-Prognose für dieses Jahr.

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Inflation von 46 Prozent in diesem Jahr

Damit nicht genug: Die Konsumentenpreise dürften bis Ende Jahr um 46 Prozent gestiegen sein, folgert die Washingtoner Institution. Getrieben sei die starke Inflation von der hohen Abwertung der Landeswährung. Der Wert des ukrainischen Griwna hat sich seit Beginn des Konflikts vor gut einem Jahr halbiert. Hinzu kämen laut IWF gestiegene Energiepreise. Damit bestätigen sich jüngere Zahlen: Im April war die Inflation bereits auf über 60 Prozent zum Vorjahr gstiegen.

Die Ukraine hofft auf Abhilfe. Das klamme osteuropäische Land hat einem Rettungsprogramm mit dem IWF in Höhe von 17.5 Milliarden Dollar zugestimmt. Der Wunsch Kiews ist es nun, die nächste Kredittranche von 2.5 Milliarden Dollar bald überwiesen zu bekommen. Der Fonds ist jedoch bekannt dafür, sehr strenge Kritierien anzulegen.

Leichte Stabilisierungszeichen

Offenbar stehen die Chancen indes nicht zu schlecht. Laut IWF-Verantwortlichem Gueorgiew seien die Diskussionen im Mai «konstruktiv» und Kiews Bekenntnis zum Reformprogramm «stark» gewesen. Bei den meisten Themen habe es Übereinkommen gegeben. Laut IWF gebe es in den jüngsten Monaten ausserdem Anzeichen, dass sich die Wirtschaft allmählich stabilisiere. So seien die internationalen Währungsreserven zwar noch auf einem niedrigen Niveau, bis Ende April jedoch auf fast zehn Milliarden Dollar gestiegen. «Bankdepositen in heimischer Währung erholen sich derzeit.»

Mit dem IWF-Programm soll die ukrainische Wirtschaft langfristig stabilisiert werden.  Dafür sei auch die Umsetzung des Programms vonseiten Kiews notwendig.