Mieterinnen und Mieter in der Schweiz können mit einer Reduzierung der Mietzinsen rechnen: Das Bundesamt für Wohnungswesen (BWO) hat den Referenzzinssatz für Mieten zum ersten Mal seit 15 Monaten um 0,25 Prozentpunkte gesenkt. Er beträgt neu rekordtiefe 2,0 Prozent.

Der neue Zinssatz gilt ab Dienstag, wie das Amt mitteilte. Wegen der Senkung ergibt sich für die Mieterschaft im Grundsatz, dass sie eine Reduktion der Mieten um 2,91 Prozent verlangen kann.

Gemäss dem Schweizerischen Mieterinnen- und Mieterverband (SMV) sieht das Mietrecht zwar vor, dass ein gesunkener Referenzzinssatz zu sinkenden Mieten führt. Viele Vermieter würden das aber vergessen. Der SMV empfiehlt, ihnen mit einem Brief Beine zu machen.

Zur Reaktion auffordern

Zunächst einmal sollte die Mieterschaft in ihrem Mietvertrag oder späteren Anpassungen den Hypothekar- oder Referenzzinssatz überprüfen. Von dieser Basis aus und ohne spätere allfällige Senkungen lässt sich der Senkungsanspruch errechnen, hält der SMV in einem Merkblatt fest.

Ergibt sich ein solcher, empfiehlt der SMV einen eingeschriebenen A-Post-Brief an die Vermieter. Diese müssen innert 30 Tagen reagieren. Wenn die Vermieterschaft die Senkung nicht oder nur zum Teil weitergeben will, helfen der SMV oder Fachleute im Rahmen einer Rechtsberatung weiter. Stolperfallen können Pauschalen für gestiegene Betriebs- und Unterhaltskosten sein.

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Reagiert ein Vermieter innert 30 Tagen nicht, können sich Mieterinnen und Mieter innert 60 Tagen an die Schlichtungsstelle wenden. Auch wenn die Mietzinssenkung aus ihrer Sicht zu wenig hoch ausfällt, müssen sich die Mieter innert 30 Tagen nach erfolgter Antwort an die Schlichtungsstelle wenden.

HEV empfiehlt Eigentümern Mietzinsüberprüfung

Der Hauseigentümerverband (HEV) empfiehlt seinen Mitgliedern, ihre Mietzinsen aufgrund des gesunkenen Referenzzinssatzes zu überprüfen. Gegen die Ansprüche könnten die Vermieter 40 Prozent der Teuerung der Konsumentenpreise und allgemeine Kostensteigerungen anrechnen.

In zahlreichen Regionen habe sich bei den Schlichtungsstellen hierfür eine jährliche Pauschale von 0,5 bis 1 Prozent durchgesetzt. Zudem könnten Renovationen und ähnliches geltend gemacht werden.

Sodann bestehe ein Senkungsanspruch nur, wenn mit dem bestehenden Mietzins ein übersetzter Ertrag resultiere. Allerdings liegt die Beweislast hier gemäss HEV beim Vermieter. Der Verband rät daher, jeden Einzelfall zu überprüfen und die Mieter zu informieren. So liessen sich unnötige Schlichtungsverfahren vermeiden.

(sda/vst)