Es sind wichtige Tage für unser Geld: Am heutigen Mittwoch tagt die US-Notenbank Fed. Morgen kommen die Währungshüter der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zusammen. Und es tut sich was: Nach sechs Jahren auf rekordniedrigem Niveau rückt die erste Zinsanhebung in den USA näher. In der Schweiz könnte sogar der Leitzins bald in den negativen Bereich rutschen. 

Dabei hat nicht nur die Geldpolitik der SNB für alle Schweizerinnen und Schweizer Auswirkungen. Die Fed-Politik bestimmt seit jeher die Entwicklung der Wechselkurse. So machen höhere Zinsen in den USA den Greenback attraktiver. Das heisst: «Der Dollar dürfte in den kommenden Monaten gegenüber dem Franken an Wert gewinnen», sagt David Stubbs, globaler Marktstratege bei JP Morgan Asset Management in London. Wer in den kommenden Monaten also in die USA reist, muss mit einem schlechteren Umtauschkurs rechnen.

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Fed beendet Wertpapierkäufe, EZB fängt damit an

Für Schweizer Unternehmen, die viel in die grösste Volkswirtschaft der Welt exportieren, ist ein schwächerer Franken freilich besser. Wie stark das Abwärtspotenzial ist, darüber sind sich Fachleute jedoch uneins. So glauben die Experten der Raiffeisen, dass Euro und Franken nur noch wenig gegenüber dem Dollar verlieren dürften – «nicht zuletzt auch wegen der hohen Leistungsbilanzüberschüsse der beiden Währungsräume», sagt Raiffeisen-Ökonom Alexander Koch.

Der wichtigste Grund für die drohenden Wechselkursverschiebungen: Im Gegensatz zu Europa stehen die USA vor dem Ende der ultralockeren Geldpolitik der vergangenen Jahre. Erst im August senkte die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins auf fast Null – um 0,1 Punkte auf 0,05 Prozent. «Während die US-Notenbank Fed ihre Wertpapierkäufe im Herbst beenden dürfte, fängt die EZB damit dann erst an», so JP-Morgan-Experte Stubbs. 

«Nationalbank zu unkonventionellen Massnahmen bereit»

Und die Geldpolitik der Euro-Zone hat direkte Auswirkungen auf die Schweiz. Grob gesagt gilt: Je expansiver EZB-Chef Draghi agiert, desto näher rückt der Franken an die Frankengrenze der SNB von 1,20 gegenüber dem Euro. Zu beobachten war das in den vergangenen Tagen. Bei der SNB dürften derzeit also wieder einmal die Köpfe rauchen, wie sie einer drohenden zusätzlichen Frankenaufwertung gegenüber dem Euro entgegentritt.

«Die Nationalbank wird auch in Zukunft zu unkonventionellen Massnahmen bereit sein», sagt Stubbs. Deshalb hält er besonders ein Instrument für möglich, das die SNB kürzlich selbst ins Spiel brachte: «Sollte die EZB ihre Aufkäufe von Wertpapieren starten, wird die SNB womöglich mit einer Senkung des Leitzinses in den negativen Bereich reagieren.» Negative Zinsen in der Schweiz könnten seiner Ansicht auch dann kommen, sollten sich die geopolitischen Probleme um Russland und die Ukraine verschärfen oder die Euro-Zone wieder grössere Probleme bekommen.

Negative Zinsen als «ultimatives Mittel»

Einige Fachleute wie Daniel Hartmann vom Zuger Anleiheinvestor Bantleon rechnen zwar nicht damit, dass die SNB diesen Schritt morgen nehmen wird, halten ihn bis Jahresende aber dennoch für möglich. «Die Frage wäre dann natürlich sofort, ob die Banken die negativen Zinsen auch an die Sparer weitergeben.» Hartmann hält es für möglich. Ganz neu wäre ein solcher Schritt nämlich nicht: Credit Suisse und UBS setzten die Einlagezinsen für institutionelle Kunden bereits 2012 in den negativen Bereich. Zuvor war das in den 1970er Jahren der Fall, als Schweizer Banken ausländische Kunden zeitweise mit Minuszinsen bestraften.  

Freilich gibt es auch warnende Stimmen, freilich auch innerhalb der SNB selbst. Denn die Nationalbank will ein niedrigeres Hypothekenwachstum. Minuszinsen würden jedoch genau in die andere Richtung wirken. «Negativzinsen wären ein ultimatives Mittel, um einer wiederaufkeimenden Kapitalflucht entgegenzuwirken», sagt Raiffeisen-Ökonom Koch. Zudem sollte die SNB seiner Meinung nach auch in diesem Fall zuerst mit neuen Devisenkäufen eingreifen.