Im ersten Halbjahr 2016 sind über 90‘000 Personen seit mehr als einem Jahr ohne Job. Das sind 80 Prozent mehr als 2008, dem Jahr als die Finanzkrise durchschlug, schreibt die «Schweiz am Sonntag».

Wie der Arbeitsmarktexperte der Konjunkturforschungsstelle (Kof), Michael Siegenthaler, sagt, kletterte die Zahl der Langzeitarbeitslosen unbemerkt von der Öffentlichkeit auf dieses Rekordniveau.

Geschönte Statistik

Schuld daran ist das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), das sich in seinen Arbeitslosenstatistiken nur auf die Zahlen der regionalen Arbeitsämter stützt. In den Berechnungen vergisst das Seco die rund 40‘000 Arbeitslosen, die keinen Anspruch mehr auf Arbeitslosenentschädigung haben.

Erst kürzlich rühmte sich Bundespräsident Johann Schneider-Ammann mit der tiefen Arbeitslosenquote von 3,2 Prozent in der Schweiz. Dabei stützte er sich auf die Seco-Zahlen. Siegenthaler fordert aber: «Alle Arbeitslosen zählen, bitte». Er verweist an das Bundesamt für Statistik, das schon seit Jahren nach internationalen Standards die Erwerbslosenquote berechnet. In dieser Statistik werden deutlich mehr Langzeitarbeitslose gezählt als in jener des Seco.

(chb)

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