Kostenloses Frühstück, Doppelzimmer zum halben Preis oder ein Gratis-ÖV-Ticket. Nach dem Einbruch des Tourismus durch die Corona-Pandemie buhlen Schweizer Hoteliers nun um neue Gäste, denn die Sommersaison steht vor der Tür. Dabei sind sie vor allem auf einheimische Kundschaft angewiesen, um den Rückgang der Besucher etwa aus Fernost auszugleichen.

Um Schweizer Gäste anzulocken, werden insbesondere die Städte kreativ: Städte wie Zürich und Genf leben neben Geschäftsreisenden von den Besuchern aus dem Ausland. Sie werden nun besonders offensiv um Gäste buhlen müssen. Doch kommt es auch zur Preisschlacht? 

Zürich lockt mit Hotelangeboten

In Zürich bieten zahlreiche Hotels ab Mitte Juni an sechs Wochenenden Spezialpreise für Doppelzimmer an. Zudem erhalten alle Gäste die Zürich Card mit kostenloser ÖV-Nutzung und Eintritt in Museen zum reduzierten Preis. Auch an Geschäftsreisende ist gedacht: Den ersten 1000 Konferenzbesuchern spendiert das Kongressbüro einen Gratis-Apéro.

An der Aktion von Zürich Tourismus nehmen 73 Hotels teil, darunter auch Vier- und Fünf-Sterne-Hotels. Ein Wochenende im feinen «Savoy Baur en Ville» beispielsweise kostet im Juli knapp 400 Franken für zwei Personen. Normaler Preis für ein Doppelzimmer: 950 Franken aufwärts.

Genf investiert in Tourismus

In Genf machen Schweizer Touristen weniger als 20 Prozent aller Besucher aus. Der Kanton will nun die Hoteliers unterstützen: Im Juli und August zahlen die Gäste nur einen Drittel des eigentlichen Übernachtungspreises. Einen Drittel übernimmt der Kanton, ein weiterer geht zulasten des Hotels. So der Vorschlag, der 1,5 Millionen Franken kosten würde und über den der Grosse Rat in dieser Woche noch abstimmt. 

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Wenn die Grenzkontrollen mit Deutschland, Österreich und Frankreich am 15. Juni aufgehoben werden, müssen die hiesigen Hoteliers dennoch befürchten, dass Schweizer Touristen lieber in den angrenzenden Ländern günstiger Ferien machen. Denn auch in diesen Ländern werden die Hotels und Tourismusregionen attraktive Angebote machen.

Konkurrenz in Europa

Dass die Schweiz in den Preiskampf einsteigen wird, ist eher unwahrscheinlich. Schweiz Tourismus rät der Branche von Preissenkungen ab. Das Reiseland Schweiz habe sich «noch nie über den Preis positioniert, sondern vielmehr über ein qualitativ hochstehendes Erlebnis. Auch gerade in diesen Zeiten», sagt ein Mediensprecher des Verbands.

Sonderangebote seien dennoch sinnvoll, etwa Übernachtungspakete mit zusätzlichen Leistungen wie Gratis-ÖV. Im Oberengadin erhalten Gäste in einigen Hotels und Ferienwohnungen beispielsweise kostenlose Bergbahntickets. Hotellerie Suisse empfiehlt zwar, nicht die Preise zu senken, sondern mit Aktionen die Gäste zu einem längeren Aufenthalt zu motivieren. Dennoch: «Preisreduktionen wird es wohl geben, aber hoffentlich keine Rabattschlacht», sagt eine Sprecherin. 

Nicht der Preis entscheidet

Einen Hoffnungsschimmer für die Hoteliers im Land gibt es immerhin: Laut einer Studie der ZHAW spielt für Schweizer Touristen der Preis keine grosse Rolle. Die Fachhochschule hat das Reiseverhalten in Corona-Zeiten untersucht. Demnach haben die Schweizerinnen und Schweizer derzeit mehr Vertrauen in heimische Gefilde. Bei zwei Dritteln ist Urlaubsgeld kein Thema, sie rechnen mit höheren oder konstanten Zimmerpreisen. Wichtiger sind den Befragten hingegen flexible Stornobedingungen und ein geringes Infektionsrisiko. 

Vor einer Auslandreise schrecken die meisten derzeit zurück. So haben drei Viertel der Befragten ihre ursprünglichen Reiseziele storniert oder wollen das noch tun. Derweil hat sich ein Drittel noch nicht entschieden, wohin es gehen soll. Die Chancen für den Schweizer Tourismus stehen also noch gut – ein preislich attraktives Ferienangebot macht die Entscheidung sicher leichter.