George Soros ahnte wohl kaum, welche Wellen sein Artikel auslösen würde, den er Anfang April publizierte. «Deutschland ... hat kein Recht, die schwer verschuldeten Länder zu hindern, ihrem Elend zu entgehen, indem sie sich zusammentun und Eurobonds ausgeben. Falls Deutschland keine Eurobonds will, sollte es in Betracht ziehen, den Euro zu verlassen», schrieb der Börsenguru und Multimilliardär in seinem Essay. Kurze Zeit warf er in einem Interview der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel vor, Europa in «die falsche Richtung zu führen».

Darauf reagierte der deutsche Ökonom Hans-Werner Sinn mit einer scharfen Kritik. «Jetzt blufft er», schreibt der Chef des Konjunkturforschungsinstuts Ifo. «Er spielt mit dem Feuer, denn genau das fordert die Alternative für Deutschland, die neue Partei, die gerade in Deutschland gegründet wurde», so Sinn in seinem Beitrag.

«Sich aus dem Staube machen»

Sinn ist nicht unzimperlich und wirft Soros pures Eigeninteresse vor. «Viele Investoren reden wie Soros. Sie wollen Eurobonds, damit sie sich aus dem Staube machen können. Die Staatengemeinschaft soll ihnen die toxischen Staatspapiere der südlichen Länder mit dem Erlös aus dem Verkauf der Eurobonds abkaufen, damit sie ihr Geld in Sicherheit bringen können», schreibt er.

Zudem wirft Sinn Soros Unkenntnis vor. «Vor allem aber verkennt Soros die wahre Natur der Krise. Europa leidet nur vordergründig unter einer Finanzkrise. Der Kern der Krise liegt im Verlust der Wettbewerbsfähigkeit der südlichen Länder», so der Professor der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

«Wahre Wunder»

Soros lässt das nicht auf sich sitzen. «Hans-Werner Sinn verzerrt und verschleiert absichtlich mein Argument», schreibt er nun als Kommentar auf Sinn. Der Euro könne nur funktionieren, wenn der Kontinent wirklich integriert sei. Dazu brauche es Eurobonds. Zudem sei eine zentrale Bankenaufsicht nötig, welche für gleich lange Spiesse sorge. Die Umwandlung von Staatsschulden in Eurobonds würde wahre Wunder bewirken, glaubt Soros. Und er schliesst mit einem impliziten Vorwurf: «Ich glaube nicht, dass Deutschland für Europas Niedergang verantwortlich sein möchte.»

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