Die Anleiherenditen im Euroraum nähern sich weiter an. Am Freitag fiel der Zins für spanische Staatspapiere mit einer Laufzeit von zehn Jahren erstmals seit dem Jahr 2005 unter die Marke von drei Prozent. Im Tief wurden 2,992 Prozent erreicht.

Die Rendite italienischer Staatsanleihen mit gleicher Laufzeit lag mit 3,06 Prozent nur leicht höher. Die Zinsaufschläge zu deutschen Bundesanleihen, die als nahezu ausfallsichere Anlage gelten, betragen damit nur noch rund 1,5 Prozentpunkte. Zum Höhepunkt der Schuldenkrise hatten sie mit bis zu sechs Prozentpunkten viermal so hoch gelegen.

EZB und Ende der Rezession

Marktbeobachter nennen im wesentlichen zwei Gründe für die seit knapp zwei Jahren rückläufigen Zinsaufschläge. Zum einen sichert die Europäische Zentralbank (EZB) seit Mitte 2012 zu, alles für den Erhalt des Euro zu tun. Diese Garantie hat Ängste vor einem Auseinanderfallen des Währungsraums zerstreut. Auch der Euro hat seither deutlich an Wert gewonnen. Zum anderen haben viele angeschlagene Euroländer die lange Rezession hinter sich gelassen. Länder wie Spanien oder Portugal haben zudem Wirtschaftsreformen ergriffen, um vorherige Fehlentwicklungen wettzumachen.

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Anlagenotstand

Auf der anderen Seite herrscht allgemeiner Anlagenotstand, weil die Marktzinsen in nahezu allen grossen Industrienationen sehr niedrig sind. Zugleich haben die Schwellenländer in den Augen von Investoren an Attraktivität eingebüsst. Auch deswegen fliesst während der Schuldenkrise abgezogenes Kapital wieder zurück in den Euroraum. Einige Beobachter wie die Analysten vom Bankhaus Metzler warnen jedoch vor Übertreibungen: Die Renditeentwicklung ist ihrer Ansicht nach nicht durch die wirtschaftliche Realität gedeckt.

(awp/chb)