Spanien macht im Kampf gegen die wirtschaftliche Krise enorme Fortschritte: Im ersten Halbjahr stiegen die Ausfuhren der viertgrössten Euro-Volkswirtschaft um 8 Prozent zum Vorjahreszeitraum, teilte das Wirtschaftsministerium in Madrid am Donnerstag mit. Insgesamt wurden damit Waren und Dienstleistungen in Höhe von 119 Milliarden Euro ins Ausland verkauft - so viel wie nie zuvor seit Beginn der Statistik im Jahr 1971.

Wie andere Euro-Krisenländer leidet Spanien an einem sogenannten Zwillings-Defizit, das heisst: Sowohl die Handelsbilanz als auch der staatliche Haushalt befinden sich im roten Bereich - zumindest in den vergangenen Jahren. Die spanische Wirtschaft hat an Wettbewerbsfähigkeit gewonnen und weist von allen Euro-Ländern inzwischen mit die besten Exportwerte in ganz Europa auf.

Handelsdefizit schrumpft um 70 Prozent

Im ersten Halbjahr 2013 schrumpfte der Fehlbetrag in der Handelsbilanz um knapp 70 Prozent auf 5,8 Milliarden Euro, wie die am Donnerstag gemeldeten Daten zeigen. Dafür zeichnete auch die schwache Importnachfrage verantwortlich: Die Einfuhren sanken um 3,2 Prozent auf 124 Milliarden Euro. Spaniens Wirtschaft könnte Beobachtern zufolge im dritten Quartal die Rezession hinter sich lassen. Denn die Urlaubssaison zwischen Teneriffa und Barcelona läuft so gut wie seit Jahren nicht mehr. Besserung war bereits im Frühjahr zu sehen, als die Wirtschaftsleistung nur noch um 0,1 Prozent sank.

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Auch die Euro-Zone insgesamt meldete am Donnerstag positive Zahlen: Gemäss den Umfragen unter Einkäufern stieg die Produktion im Juli kräftiger an. Der entsprechende Indikator für die Industrie kletterte von 50,3 auf 51,3 Punkte. Vor allem die Neuaufträge legten demnach kräftig gegenüber dem Vormonat zu. «Nach dem Ende der Rezession in der Euro-Zone im zweiten Quartal, scheint sich der konjunkturelle Aufschwung zu festigen», sagte Christian Melzer, Ökonom bei der Dekabank. Er rechnet in den drei Monaten von Juli bis September nicht mit einer Rückfall in die Rezession.

Noch immer ist die Euro-Zone mit Abstand der wichtigste Handelspartner für die Schweizer Wirtschaft. Rund 40 Prozent aller Ausfuhren gehen in den europäischen Währungsraum.

(mit Reuters)