Der Internationale Währungsfonds hat Spanien vor einem nachlassenden Reformeifer gewarnt. Trotz ermutigender Konjunktursignale müsse der schwächelnde Euro-Staat noch mehr für Wachstum und Beschäftigung tun, erklärte der IWF in seinem veröffentlichten Länderbericht.

Zwar würden wesentliche Ungleichgewichte in der Wirtschaft rasch korrigiert, lobte der IWF die Anstrengungen zur Bewältigung der Schuldenkrise. Dennoch stecke Spanien weiter in der Rezession mit einer unakzeptabel hohen Arbeitslosigkeit. Es bedürfe daher weiterhin entschlossenen Handelns. Das Reformtempo müsse hoch gehalten werden. Gefragt seien dabei auch die europäischen Partner.

Haushaltsdefizit immer noch über der Schmerzgrenze

Der IWF erwartet, dass Spaniens Wirtschaft in diesem Jahr mit 1,6 Prozent noch ein wenig stärker schrumpft als im Vorjahr. Im kommenden Jahr soll die Durststrecke dann zu Ende sein. Ab 2015 rechnet der Fonds mit einem in den Folgejahren leicht ansteigendem Wachstumspfad. Die Arbeitslosenrate von gut 27 Prozent in diesem Jahr dürfte nach IWF-Schätzungen hoch bleiben und selbst in fünf Jahren noch bei gut 25 Prozent liegen.

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Das Haushaltsdefizit werde von 6,7 Prozent in den nächsten vier Jahren immer noch oberhalb der europäischen Schmerzgrenze von drei Prozent bleiben. «Der Ausblick ist schwierig und die Risiken sind hoch», urteilt der IWF.

Die zentrale Herausforderung für die spanische Politik lautet nach Auffassung des Fonds: Arbeitsplätze und Wachstum. Die Arbeitsmarktreformen von 2012 zeige erste kleine positive Resultate, doch bedürfe es weiterer Schritte, um dort mehr Dynamik und Flexibilität zu schaffen. Das Bankensystem Spaniens sei inzwischen erheblich stärker geworden.

Zahl der Arbeitslosen sinkt

Zuletzt gab es einige Hoffnungsschimmer: So sank die Zahl der Arbeitslosen im Juli den fünften Monat in Folge. Sie fiel um 1,4 Prozent auf 4,7 Millionen. Auch mehrten sich die Hinweise auf ein Ende der seit zwei Jahren anhaltenden Rezession. Im zweiten Quartal schrumpfte die Wirtschaft mit 0,1 Prozent nur noch minimal. Zudem lassen einige Banken die Krise nach der geplatzten Immobilienblase allmählich hinter sich.

Eine finanzielle Gesundung Spaniens ist dem IWF zufolge «von entscheidender Bedeutung für die Euro-Zone und damit letztlich für die Weltwirtschaft». Ein Misserfolg des Landes könnte neue Unsicherheiten für die globale Konjunktur und die Märkte schüren. Als ein Risiko nannte der IWF soziale Spannungen, die die Fortsetzung der Reformen bremsen könnten. 

(muv/jev/reuters)