1. Home
  2. Konjunktur
  3. Staaten zapfen Öl-Reserven an, Preise brechen ein

Staaten zapfen Öl-Reserven an, Preise brechen ein

Ölarbeiter beim Schaffen. Jetzt geht es an die Reserven. (Bild: keystone)

Ungewöhnlicher Schritt der Internationalen Energie-Agentur: Sie zapft ihre Öl-Reserven an und wirft 60 Millionen Fass auf den Markt, um die Unterbrechung der Versorgung aus Libyen abzumildern. Die Pre

Veröffentlicht am 23.06.2011

Zum dritten Mal in ihrer Geschichte öffnet die Internationale Energie-Agentur (IEA) ihre Reserven. Das hätten die 28 Mitgliedstaaten beschlossen, teilte Exekutivdirektor Nobuo Tanaka in Paris mit.

Allein 30 der insgesamt 60 Millionen Barrel kommen aus den Reserven der USA. In 30 Tagen will die IEA über weitere Schritte befinden.

Der Krieg in Libyen habe zu einem Ausfall von rund 1,5 Millionen Barrel Öl pro Tag geführt, schätzt die US-Regierung. Die Auswirkungen auf den Ölmarkt wegen Libyen seien grösser geworden. Dies könne die zerbrechliche Erholung der Weltwirtschaft gefährden.

Preise deutlich im Minus

Die Ankündigung der IEA traf den Markt unvorbereitet. Die Ölpreise fielen daraufhin um mehr als fünf Prozent. Grund ist neben der IEA-Freigabe auch der deutliche Kursgewinn des US-Dollars.

Das Fass Brent-Öl verbilligte sich um mehr als sieben auf 106,90 Dollar und notierte damit so niedrig wie seit Anfang Februar nicht mehr. Vor rund einer Woche lag der Preis noch dreizehn Dollar höher. Amerikanisches WTI-Öl kostete zeitweise weniger als 90 Dollar und damit gut fünf Dollar weniger als im späten Vortagesgeschäft. Zuletzt war das Öl Ende Februar so günstig.

Weder Analysten noch Händler hatten einen solchen Schritt der IEA erwartet. Denn in den USA und China würden sich die Hinweise für eine Konjunkturabkühlung mehren, die auch die Ölnachfrage drücken dürfte, hiess es von Händlern. Zudem verfüge das Ölkartell Opec über genügend Reserven, um die Lieferausfälle Libyens zu kompensieren.

Das Ölkartell hatte sich allerdings Anfang Juni nicht auf eine Ausweitung der Förderung einigen können.

Libyen-Ausfall für das ganze Jahr erwartet

Die IEA-Mitgliedstaaten wollen aus ihren Notfallreserven 30 Tage lang täglich zwei Millionen Barrel verkaufen, hiess es von der IEA. Der normale saisonale Anstieg des Raffineriebedarfs werde die Situation verschärfen. Es werde auch erwartet, dass Libyen das gesamte Jahr ausfalle, auch wenn es grosse Unsicherheiten über die Prognosen gebe.

Die IEA habe vor dem Beschluss mit den grössten Förderländern und wichtigen Nicht-IEA-Importländern gesprochen. Die Energie-Agentur begrüsse auch, dass die grossen Ölförderländer ihre Produktion erhöhen wollten. Dies werde allerdings noch etwas Zeit benötigen.

Die gesamten Öl-Reserven der IEA-Mitgliedsstaaten umfassen den Angaben zufolge 4,1 Milliarden Fass, fast 1,6 Milliarden davon befinden sich in der Notfall-Reserve.

(tno/sda)

Der WTI-Ölpreis

Anzeige