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Greenback
Starker Dollar lindert Franken-Schock

US-Dollar: Die Währung notiert wieder fast so hoch wie vor dem SNB-Coup.  Bloomberg

Der Dollar ist gegenüber dem Franken heute ähnlich stark wie vor dem Ende des Euro-Mindestkurses. Davon profitieren die Schweizer Konzerne massiv. Lag die Nationalbank mit ihrem Coup am Ende richtig?

Von Marc Iseli
am 11.03.2015

Seit Wochen dominiert das Wort «Franken-Schock» die wirtschaftspolitischen Debatten. Dass der Dollar gerade auf einer Stärkewelle reitet, ging bislang weitgehend unter. Doch gegenüber dem Euro notiert der Greenback nun auf einem Zwölfjahreshoch, gegenüber dem Franken hat er am Mittwoch die Paritätsgrenze deutlich geknackt.

Erstmals seit der Aufgabe der Mindestkurspolitik kostet ein Dollar nun wieder mehr als ein Franken. Damit hat die US-Währung praktisch alle Verluste wettgemacht, die sie im Zuge der geldpolitischen Kehrtwende erlitt. Mit anderen Worten: Der Franken war im ganzen vergangenen Jahr nie so schwach wie jetzt, der Dollar nie so stark.

Franken gegenüber Dollar heute schwächer

Und der Höhenflug dürfte weiter anhalten. Die St. Galler Kantonalbank rechnet in den kommenden drei Monaten mit einem Dollarkurs von bis zu 1.04 Franken. Zum Euro dürfte die US-Währung ebenfalls weiter zulegen.

Die Stärke der US-Währung ruht auf den Erwartungen von Investoren auf eine Zinswende. An den Märkten setzt sich zunehmend die Ansicht durch, dass die US-Notenbank bald den Leitzins erhöht. Das macht Investitionen in Dollar attraktiver und lässt so den Wert der Währung steigen.

US-Wirtschaft enorm

Für die exportorientierte Schweizer Wirtschaft sind das hervorragende Nachrichten. Denn die Dollarstärke federt die negativen Konsequenzen der Euroschwäche ab. Rund 13 Prozent der hiesigen Ausfuhren gehen in die grösste Volkswirtschaft der Welt, die US-Wirtschaft ist das zweitwichtigste Exportland. Schweizer Firmen mit einem hohen Umsatzanteil in der US-Währung erhalten deshalb Rückenwind.

Dazu kommt: Zahlreiche asiatische Währungen bewegen sich ähnlich wie die US-Leitwährung. Hongkongs Dollar ist sogar direkt an den US-Dollar gekoppelt. Entsprechend profitieren auch Firmen, die viel in Asien absetzen. Selbst Schweizer Firmen, die in den Euro-Raum exportieren, können sich über die Dollarstärke freuen, weil die Schwäche der Gemeinschaftswährung die Konjunktur ankurbelt und Exporteure mehr in Übersee verkaufen können. «Das kommt den Schweizer Zulieferern zugute», so Thomas Flury, Leiter der Devisenstrategie bei der UBS.

Roche und Novartis profitieren

Pharma-Firmen, Medtech-Unternehmen, Grossbanken und Luxusgüterunternehmen sind die grossen Profiteure von einem starken Dollar. Roche erwirtschaftet etwa 40 Prozent des Umsatzes in Nordamerika. Ein weiteres Fünftel erzielt der Konzern in der Region Asien-Pazifik. Der steigende Dollar ist also ein Glücksfall für die Basler. Ähnlich verhält es sich bei Novartis, Actelion und beim Hörgerätehersteller Sonova.

Positiv ist der starke Dollar auch für die beiden Grossbanken Credit Suisse und UBS. Die UBS rechnet für 2015 mit einem Umsatzanteil in Dollar von 61 Prozent. Der Anteil in Franken liegt bei 17 Prozent, jener in Euro bei nur 10 Prozent.

Swatch und Richemont als Gewinner

Auch Nick Hayek kann sich freuen. Wegen des hohen Asien-Umsatzanteils ist Swatch – ebenso wie Richemont – ein grosser Gewinner der Dollarstärke. Die Swatch-Gruppe macht Schätzungen zufolge rund die Hälfte des Umsatzes im Dollarraum oder in Währungsräumen, die an den Dollar gebunden sind.

Das alles nimmt denn auch den SNB-Kritikern etwas Wind aus den Segeln. Bei der Nationalbank dürfte man sich über den starken Dollar ebenfalls freuen. Denn die Entwicklung der Wechselkurse spielt der Notenbank in die Karten. Der starke Dollar stützt nicht nur die Schweizer Wirtschaft, sondern auch die Rechtfertigung des Mindestkurs-Endes. Denn der entscheidende Grund für die Aufgabe der Mindestkurspolitik war, so betonte es SNB-Präsident Thomas Jordan bei Bekanntgabe der Aufgabe der Untergrenze, dass «divergierende Entwicklungen in den grossen Währungsräumen dazu führten, dass eine Verteidigung des Mindestkurses nicht mehr sinnvoll war».

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Das sind die Reaktionen auf den Franken-Schock

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Reaktionen auf den Franken-Schock: Ruag führt ab Oktober für 72 ihrer Mitarbeiter in Nyon Kurzarbeit ein. Im April und Juli hat der Rüstungs-und Technologiekonzern bei exportorientierten Bereichen die Arbeitszeit um drei Stunden auf 43 Stunden pro Woche erhöht. Grund war die Frankenstärke.