Die Schweizer Wirtschaft wird gemäss den Ökonomen der Credit Suisse nicht in eine Rezession schlittern. Dank der vergleichsweise robusten Lage der Weltwirtschaft dürfte die Schweiz trotz des Franken-Schocks eine Rezession vermeiden können, heisst es in der Mitteilung der Grossbank zu der quartalsweise publizierten Studie «Monitor Schweiz».

An den im Anschluss an den SNB-Entscheid für 2015 auf plus 0,8 Prozent und für 2016 auf 1,2 Prozent gesenkten Schweizer BIP-Prognosen halten die CS-Ökonomen fest.

Starker Franken bleibt das Problem

Der konsumtragende «Super-Zyklus» - bestehend aus Zuwanderung, tiefen Zinsen und Immobilienboom - wirke in der Schweiz weiter, wenn auch nur schwach, heisst es in der Frühjahrsausgabe 2015 des «Monitor Schweiz» weiter. Nur schon der erwartete Rückgang des Preisniveaus um 1,3 Prozent in diesem Jahr dürfte die Kaufkraft der Lohneinkommen um beinahe fünf Milliarden Franken erhöhen. Starke Wachstumsimpulse für die Schweizer Gesamtwirtschaft seien aber weder 2015 noch 2016 zu erwarten.

Anzeige

Das Problem für die hiesige Wirtschaft bleibt der starke Franken. Bereits ein Euro-Franken-Kurs von 1,20 sei für manche Industriebranchen zu teuer gewesen, wie die Studie in einer Analyse der fairen Wechselkurse zeigt. Anhand eines auf der einfachen Kaufkraftparität basierenden Berechnungsmodells ergeben sich für die Textil-, Kunststoff- sowie die Präzisionsinstrumente-Industrie eine Überbewertung des Frankens gegenüber dem Euro von 20 bis 30 Prozent im Jahr 2014. Für die Elektro-, Pharma- und Maschinenindustrie habe die Überbewertung 10 bis 20 Prozent betragen. Diese Werte würden sich 2015 um bis zu 15 Prozentpunkte erhöhen, sollte der Euro-Franken-Kurs im Jahresdurchschnitt 1,05 betragen.

Pharmaindustrie im Vorteil

Unter dem überbewerteten Franken leiden insbesondere diejenigen Branchen, die bereits in den vergangenen Jahren eine schrumpfende Handelsbilanz aufgewiesen hätten. Dies gelte etwa für traditionelle Industriebranchen wie Textil, Papier und Metall, wo ein weiterer Produktionsrückgang beziehungsweise eine Verlagerung der Tätigkeit ins Ausland zu erwarten sei.

Anders sehen die CS-Ökonomen die Pharma- und die Präzisionsinstrumente-Industrie. Für diese Branchen zeigt dieses auf Kaufkraftparität basierende Modell zwar ebenfalls eine Überbewertung des Frankens an, doch sei die Nachfrage nach patentgeschützten Pharmazeutika oder hochspezialisierten Geräten vielfach weniger preiselastisch als die Nachfrage nach Produkten der traditionellen Industrie.

SNB dürfte Kurs halten

Mit Blick auf die am Donnerstag bevorstehende geldpolitische Lagebeurteilung der SNB rechnet die CS mit einer Bestätigung des eingeschlagenen Weges in der Geldpolitik. Devisenankäufe oder eine weitere Senkung des bereits negativen Zinssatzes auf Einlagen, welche Banken bei der SNB halten, dürften erst bei einer Aufwertung des Frankens zur Parität zum Euro in Betracht gezogen werden. Derweil könne die Fiskalpolitik nicht anstelle der restriktiver gewordenen Geldpolitik in die Bresche springen, so die Meinung des CS-Ökonomen. Der Bund habe keinen Spielraum für Fiskalpakete.

(awp/dbe/ama)