1. Home
  2. Konjunktur
  3. Sturmschäden lassen sich mit Twitter berechnen

Wissenschaft
Sturmschäden lassen sich mit Twitter berechnen

Folge von «Sandy»: Ein Bild der Verwüstung. Keystone

Forscher analysierten fast zehn Millionen Tweets, die während und nach dem Hurrikan «Sandy» abgesetzt wurden. Das Ergebnis: Twitter ist ein guter Indikator für das Ausmass der Schäden.

Veröffentlicht am 14.03.2016

Twitter-Nachrichten können nach Naturkatastrophen Aufschluss über das Ausmass der Schäden geben. Das entdeckten australische und amerikanische Forscher bei der Analyse der Kurznachrichten nach dem Hurrikan «Sandy».

Die Wissenschaftler fanden einen Zusammenhang zwischen der Nachrichtenhäufigkeit und der Schadenshöhe in verschiedenen Regionen. Auch die Stimmung in den Tweets gebe Hinweise, schreiben die Forscher von der National Information and Communications Technology Australia in Melbourne im Fachjournal «Science Advances».

10 Millionen Tweets

Der Wirbelsturm «Sandy» traf in der Nacht vom 29. zum 30. Oktober 2012 auf die Nordostküste der USA und richtete vor allem im Bundesstaat New Jersey und im benachbarten New York schwere Schäden an. Die Forscher werteten die Twitter-Nachrichten zwischen dem 15. Oktober und dem 12. November aus.

Insgesamt waren es 9,7 Millionen Tweets, die mit einem Geocode versehen waren, von 2,2 Millionen verschiedenen Nutzern, wie die «Welt» berichtete.

Zeitlicher und räumlicher Zusammenhang

Bei der Untersuchung von Stichwörtern wie «Sandy», «Sturm» oder «Orkan» fand das Team einen zeitlichen und räumlichen Zusammenhang, der zunächst nicht überrascht. Als «Sandy» auf die Küste traf, gab es die meisten Tweets zu diesen Stichwörtern. Vorher und nachher fällt die Aktivitätskurve ab. Auch wurden die Stichwörter umso häufiger genutzt, je näher ein Ort an New Jersey oder New York lag.

Die Schadenshöhe in den einzelnen Bezirken ermittelten die Wissenschaftler dann über ausgezahlte Versicherungssummen und Zuwendungen der Koordinierungsstelle für Katastrophenhilfe. Für New Jersey erreichten sie sogar eine räumliche Auflösung nach Postleitzahl-Bezirken.

Twitter als Stimmungsbild

Diese Daten glichen die Forscher schliesslich mit den Twitter-Nachrichten zum Wirbelsturm ab. Ergebnis: In jenen Stunden, in denen der Sturm wütete, war die Twitter-Aktivität wenig aussagekräftig.

Dagegen ergab sich für die Tage danach ein deutlicher Zusammenhang zwischen der Zahl der Tweets zum Thema pro Kopf der Bevölkerung eines Gebietes und der dortigen Schadenshöhe. Die Forscher werteten ausserdem aus, ob die Stimmung in den Tweets eher positiv oder negativ war. Auch hier zeigte sich tendenziell eine Verbindung: Je schlechter die Stimmung, desto grösser die Schäden.

Ergebnis bestätigt

Bei der anschliessenden Untersuchung von zwölf Naturkatastrophen in den USA in den Jahren 2013 und 2014 konnten die Forscher ihre Ergebnisse weitgehend bestätigen. Allerdings offenbarten sich auch die Grenzen der Aussagekraft: Bei einer Überschwemmung in Alaska fanden sie nur 22 Twitter-Nachrichten zu dem Thema, es gab kaum statistisch verwertbare Zusammenhänge. Dennoch sehen sie weitere Anwendungsbereiche ihrer Methode:

«Unsere Studie legt nahe, dass die Verteilung von Online-Aktivitäten pro Kopf zu einem bestimmten Thema das Potenzial hat, andere natürliche, wirtschaftliche oder kulturelle Phänomene zu beschreiben und quantitativ zu erfassen», so die Forscher.

Dieser Artikel erschien zuerst auf unserem Schwesterportal «Kompakt» unter dem Titel «Zerstörungen lassen sich mit Tweets berechnen».

Anzeige