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Konsequenzen
Terroranschläge: Was nun der Wirtschaft droht

Die Attacken der Terroristen in Paris haben politische Folgen. Doch treffen die Anschläge auch die Wirtschaft Frankreichs? Oder wird gar der Welthandel leiden? Die wichtigsten Antworten.

Veröffentlicht am 16.11.2015

Die Anschläge von Paris haben nicht nur politische Konsequenzen, sondern auch wirtschaftliche. Ein Überblick:

Treffen die Anschläge Frankreich wirtschaftlich?

Ja. Viele Touristen dürften um Paris erst einmal einen Bogen machen, vielleicht auch um ganz Frankreich. Das Land ist mit jährlich mehr als 80 Millionen Besuchern das beliebteste Tourismusziel weltweit. Etwa sieben Prozent trägt der Tourismus zum Bruttoinlandprodukt bei. Luftfahrt- und Hotelaktien gaben am Montag deutlich nach.

«Anleger fürchten, dass die Attentate Auswirkungen auf den Tourismus haben und die Leute weniger reisen werden», sagt ein Händler. An der französischen Börse verloren die Titel des grössten europäischen Hotelbetreibers Accor und der Fluggesellschaft Air France-KLM deutlich an Wert. Auch die Aktien der Betreibergesellschaft des Eurotunnels gaben nach.

Trifft das auch den Konsum?

Kurzfristig wohl schon. Die Pariser meiden derzeit Restaurants, auch die grossen Einkaufszentren sind leerer als gewohnt. Die Aktien der Luxusgüterkonzerne Hermès, LVMH und Kering, die einen Grossteil ihres Umsatzes mit ausländischen Touristen in Paris machen, verloren an Wert.

«Die Verunsicherung in Paris ist massiv», sagt Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer. «Menschen werden weniger ausgehen.» Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York war dies ebenfalls zu beobachten. Die Umsätze im US-Detailhandel etwa gingen damals im September um 1,4 Prozent nach unten.

Droht Frankreich eine Wirtschaftskrise?

Nein, sagen Ökonomen. «Die Erfahrung zeigt, dass solche Terrorakte die konjunkturelle Entwicklung in den westlichen Volkswirtschaften nicht aus der Spur bringen», sagt der Chefökonom der Berenberg Bank, Holger Schmieding. In den USA etwa hätten die Umsätze im Detailhandel nach 9/11 in den Monaten nach dem September wieder angezogen.

Unmittelbar nach den Anschlägen in London 2005 habe der private Konsum in Grossbritannien im Sommer genauso kräftig zugelegt wie im Schnitt der vier Vorquartale. Ähnlich sei dies auch 2004 nach dem Anschlag auf einen Bahnhof in Madrid gewesen.

Wird der Welthandel leiden?

Wegen der Anschläge sichern Länder wie Frankreich, die Niederlande und Deutschland die eigentlich unkontrollierten Grenzen nun stärker ab. Für die Logistikbranche bedeutet das längere Wartezeiten und höhere Kosten. Aber belasten schärfere Grenzkontrollen den Welthandel? «Die Daten sprechen dagegen», sagt Commerzbank-Ökonom Krämer. «So ist der Welthandel in den Jahren nach 2001 in der Grundtendenz weiter kräftig gestiegen.» Den Rückgang im Jahr des Anschlags führen Experten eher auf die Rezession nach dem Platzen der Aktienmarktblase zurück.

Was macht die EZB?

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 hat die US-Notenbank versucht, die Märkte mit dem Versprechen zu beruhigen, so viel Geld wie nötig bereitzustellen. Viele Experten erwarten eine Lockerung der Geldpolitik durch die Europäische Zentralbank (EZB) im Dezember - allerdings nicht wegen der Anschläge, sondern wegen der chronisch niedrigen Inflation im Euro-Raum. «Für die Geldpolitik der EZB dürften die Anschläge in Paris wohl keine wesentliche Rolle spielen», sagt Commerzbank-Ökonom Krämer.

(sda/dbe)

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