1. Home
  2. Konjunktur
  3. Thomas Jordan verteidigt sich in Jackson Hole

Rede
Thomas Jordan verteidigt sich in Jackson Hole

SNB-Chef Jordan: Keine kurzfristigen Strategien. Keystone

Am Treffen der Notenbanker in Jackson Hole hat SNB-Chef Jordan seine Geldpolitik bekräftigt. Manchmal müssten kleine Länder «mit temporär suboptimaler Inflation leben», so Jordan in seiner Rede.

Veröffentlicht am 28.08.2015

Der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Thomas Jordan, hat am Treffen der Notenbanker in Jackson Hole die anhaltende Negativteuerung in der Schweiz verteidigt. Zugleich kritisierte er allzu kurzfristige Strategien. Geldpolitik solle der mittelfristigen Preisstabilität dienen, nicht dem «Fine-Tuning» der Inflation, erklärte Jordan laut Communiqué der SNB vom Freitag an dem Treffen in den Rocky Mountains im US-Bundesstaat Wyoming. Im Zentrum des Treffens steht die Frage, ob die US-Notenbank Fed die Zinswende im September oder doch erst später einleitet.

Höhere Zinsen könnten den Dollar aufwerten und somit das Problem der Frankenstärke entschärfen helfen. Die Lage am US-Arbeitsmarkt hat sich zwar weiter verbessert. Dennoch könnte die US-Notenbank die Zinswende noch hinauszögern: Die Probleme in China spitzten sich zuletzt zu und Vertreter der Fed äusserten auch Sorgen über die nach wie vor niedrige Inflation.

Zinserhöhung die Geldmenge drücken

Preisstabilität sehen Notenbanker üblicherweise zwischen 0 und 2 Prozent gewährleistet; in den USA verteuerten sich Waren und Dienstleistungen im Juli um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die sogenannte Kerninflation, die die schwankungsanfälligen Preise für Energie und Nahrungsmittel ausklammert, lag aber bei 1,8 Prozent und damit am oberen Ende des Zielbandes. Eine Zinserhöhung würde die Geldmenge tendenziell drücken und damit der Teuerung entgegenwirken.

In der Schweiz betrug die Jahresteuerung im Juli dagegen minus 1,3 Prozent. 2012 hatte die Jahresteuerung minus 0,7 Prozent betragen, 2013 waren es minus 0,2 Prozent und 2014 blieben die Konsumentenpreise im Schnitt stabil. Die Erfahrungen der Schweiz seit der Finanzkrise hätten bestätigt, dass die Kontrolle der Inflation schwieriger sein könne für kleine, offene Volkswirtschaften, sagte Jordan. Während international eine extrem expansive Geldpolitik eingeleitet wurde, seien die historischen Zinsdifferenzen zwischen ausländischen und Schweizer Zinsen geschwunden.

«Manchmal mit suboptimaler Inflation leben»

Überlaufeffekte könnten nicht vollständig kompensiert werden, wenn konventionelle geldpolitische Eingriffe limitiert und die Währung als «sicherer Hafen» überbewertet sei wegen markanten Kapitalzuflüssen. In einer solchen Situation müssten kleine, offene Volkswirtschaften «manchmal mit temporär suboptimaler Inflation leben», heisst es im Redetext.

Jordan betonte zugleich, der Grossteil der negativen Inflation der Schweiz in den letzten Jahre gehe auf den Rückgang der Importpreise zurück. Er bekräftigte die seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses im Januar geltende Geldpolitik der SNB: Mit dem Negativzins auf Sichtguthaben von minus 0,75 Prozent und nötigenfalls mit Devisenmarktinterventionen soll der Franken über die Zeit schwächer werden.

(sda/gku)

Anzeige