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Nationalbank
Thomas Jordan wegen Negativzinsen unter Druck

SNB-Chef Jordan: Kritik an Negativzinsen nimmt zu.  Keystone

Ökonomen und Politiker kritisieren die Negativzinsen der SNB. Die umstrittene Massnahme von Thomas Jordan sei kontraproduktiv und gefährlich. Offen sind vor allem die langfristigen Auswirkungen.

Veröffentlicht am 15.03.2015

Die Politik von Nationalbank-Präsident Thomas Jordan kommt immer stärker unter Druck. Die Einführung von Negativzinsen wird inzwischen offen angegriffen.

Laut Ökonom Kurt Schiltknecht muss «ein Fragezeichen hinter die Einführung» gesetzt werden. Die Nationalbank solle nochmals über die Bücher. Er war in den 1970er-Jahren, als die Schweiz schon einmal Negativzinsen hatte, Chefökonom bei der SNB. Negativzinsen hätten «viele unerwünschte Nebeneffekte».

Sie belohnten die Schuldner und begünstigten die Blasenbildung im Aktien- und Immobilienmarkt, schreibt Schiltknecht. «Vor allem aber belasten sie Sparer, Pensionskassen und Versicherungen. Sie sind eine Bedrohung der Sozialwerke.»

«Wie eine Steuererhöhung»

Schiltknechts Folgerung: «Negativzinsen wirken wie eine Steuererhöhung.» Es herrscht grosse Verunsicherung darüber, welche Auswirkungen die Negativzinsen auf die Schweiz haben werden. Verschiedene Politiker haben deshalb parlamentarische Vorstösse eingereicht.

SP-Ständerat Claude Janiak spricht von «gravierenden Auswirkungen in vielerlei Hinsicht». Weiter hält er in einer Interpellation fest:  «Negative Zinsen bis zu einer Laufzeit von aktuell 9 Jahren sind Ausdruck einer deflationären Konjunktureinschätzung mit generell sich abschwächenden Preisen für Investitionsgüter und Waren des Alltags.»

Pirmin Bischof will Antworten

CVP-Ständerat Pirmin Bischof wundert sich gegenüber der Zeitung «Schweiz am Sonntag», wie viele Fragen die SNB mit der Einführung des Negativzinses nicht beantwortet hat. «Welche Folgen haben Negativzinsen für die Schweiz, wenn sie länger in Kraft bleiben?», will er nun in einem Postulat von der Regierung wissen.

Und er fragt, ob sie zu höheren Risiken für die Pensionskassen führten, zur Enteignung von Sparern, zu Run auf Bargeld. Auch will er erfahren, wie Gelder der beruflichen Vorsorge und der Sozialwerke vom Negativzins ausgenommen werden könnten.

Bischof: «Kann die SNB ihnen Girokonti eröffnen? Oder sind gesetzliche Vorkehrungen notwendig?» Er fordert vom Bundesrat einen Bericht zu den volkswirtschaftlichen Folgen der Negativzinsen.

(gku)

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