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Studie
Tiefere Renten bleiben für Schweizer tabu

Senioren: Viele arbeiten über das Rentenalter hinaus. Keystone

Eine Mehrheit in der Schweiz befürwortet Reformen bei der Altersvorsorge. Nicht in Frage kommen allerdings Rentenkürzungen, wie eine Umfrage zeigt. Auch ein höheres Pensionsalter ist unbeliebt.

Veröffentlicht am 30.08.2016

Die Pensionskassen stehen vor einer unsicheren Zukunft. Um die Renten zu sichern, sind Korrekturmassnahmen nötig. Eine Mehrheit der Schweizer Bevölkerung akzeptiert deshalb eine Reform der Altersvorsorge, lehnt aber Rentenkürzungen ab, wie eine Umfrage zeigt. Die Akzeptanz der Schweizer Bevölkerung für Korrekturmassnahmen bei der Altersvorsorge sei hoch, sagte Werner E. Rutsch, Geschäftsleitungsmitglied bei AXA Investment Managers. «59 Prozent der Befragten ist klar, dass zur Sicherung der Renten, Reformen nötig sind.»

Das in der Vermögensverwaltung tätige Unternehmen führt alljährlich eine Umfrage zum Wissensstand und zur Einstellung der Bevölkerung zur zweiten Säule durch. In diesem Jahr ging die Studie zusätzlich der Frage nach, wie die bei einer Pensionskasse Versicherten die verschiedenen Korrekturmassnahmen einschätzen.

Reform ist auf den Zielgeraden

Die Reform ist in vollem Gang. Die eidgenössischen Räte diskutieren mit der Vorlage «Altersvorsorge 2020» mit welchen Änderungen die berufliche Vorsorge in Zukunft gesichert werden kann. Die zweite Säule leidet unter der steigenden Lebenserwartung und den sinkenden Anlagerenditen.

«Durch das negative Zinsumfeld wird den Leuten bewusst, dass etwas geändert werden muss», sagte Rutsch. Sind fast zwei Drittel der Befragten zwar für eine Reform, ist eine Kürzung der Renten als Massnahme aber für die meisten ausgeschlossen – nur gerade 12 Prozent würden dies befürworten.

Steuervergünstigungen populär

Populärer sind etwa die Beitragszahlung schon vor dem 25. Lebensjahr oder auch ein freiwilliges Weiterarbeiten nach der Pension, wie die Umfrage zeigt. Ebenfalls beliebt unter den vorgeschlagenen Massnahmen sind Steuervergünstigungen für freiwilliges Sparen oder die Erhöhung von Beitragszahlungen von Arbeitstätigen.

«Die Umfrage zeigt, dass ein von oben verordnetes höheres Rentenalter nicht gut ankommen würde, die Leute auf freiwilliger Basis aber gerne länger arbeiten würden», sagte Rutsch. Dies passe zum in der Schweiz vorherrschenden hohen Arbeitsethos.

Freude an der Arbeit

So gaben 41 Prozent der Befragten an, dass sie gerne über das Pensionsalter hinaus arbeiten würden, respektive gerne länger gearbeitet hätten. Als wichtigste Gründe dafür werden die Freude an der Arbeit genannt, finanzielle Überlegungen, eine gute Gesundheit und der Wunsch aktiv zu bleiben.

Weiter wurde untersucht, in welcher Form die Befragten ihre Rente bei der Pensionierung beziehen möchten. Jeder Fünfte würde sich demnach sein ganzes Pensionskassengeld auszahlen lassen. Dies entspricht einer Verdoppelung gegenüber 2015. Rutsch erklärte dies mit einer «allgemeinen Unsicherheit in Bezug auf die wirtschaftliche und politische Entwicklung».

Das Thema interessiert wenig

Wie bereits bei den früheren Befragungen zeigt sich aber erneut, dass das Interesse für das Thema Vorsorge - trotz der anstehenden Unsicherheiten – in der Schweizer Bevölkerung immer noch relativ gering ist. Jeder fünfte Befragte interessiert sich grundsätzlich nicht dafür. Unter den aktiv Versicherten im Alter von 42 bis 65 Jahren ist das Interesse mit 84 Prozent am höchsten. Besser Verdienende interessieren sich zudem deutlich mehr für die Altersvorsorge als Leute mit geringem Einkommen.

Für die Studie wurden in der ganzen Schweiz 712 Personen ab einem Alter von 18 Jahren befragt – 131 unter ihnen sind bereits im Pensionsalter

(sda/mbü/hon)

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