Die expansive Wirtschaftspolitik der japanischen Regierung erreicht die Realwirtschaft: Die Konsumentenpreise zogen im Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat um 0,7 Prozent an, wie die Regierung in Tokio mitteilte. Das ist der höchste Anstieg seit fast fünf Jahren. Zuletzt wurde ein solcher Wert im November 2008 erreicht. 

Gleichzeitig erholte sich die Industrie nach zwei schwächeren Monaten im Juli wieder: Die Produktion kletterte saisonbereinigt um 3,2 Prozent. Vor diesem Hintergrund steigt die Bereitschaft der Unternehmen, wieder mehr Arbeiter zu beschäftigen.

Arbeitslosigkeit sinkt auf den tiefsten Stand seit 2008

Auf 100 Jobsuchende kamen im Juli 94 offene Stellen, so viele wie seit mehr als fünf Jahren nicht mehr. Im Juni waren es noch 92 offene Stellen gewesen. Die Arbeitslosenquote verbesserte sich im Berichtsmonat auf 3,8 Prozent nach 3,9 Prozent im Vormonat. Ein so niedriges Niveau wurde zuletzt im Oktober 2008 erreicht. «Das Gesamtbild für Japan ist klar - wir haben eine breitere Erholung», sagte Jesper Koll, Analyst bei JP Morgan in Tokio, dem Sender CNBC. Dank der Erholung am Arbeitsmarkt steige die Kaufkraft und stabilisiere so die Nachfrage der Japaner. 

Abenomics erreicht Realwirtschaft

Diese Entwicklung zeigt nach Ansicht von Analysten, dass die «Abenomics» genannte Wirtschaftspolitik von Ministerpräsident Shinzo Abe aus einer Mischung aus aggressiver Lockerung der Geldpolitik und massiven Konjunkturspritzen die Realwirtschaft erreicht. Abes Ziel ist es, dass die drittgrösste Volkswirtschaft der Welt aus der jahrelangen Deflation mit stetig sinkenden Preisen herauskommt und die Wirtschaft wieder gesundet. 

Anzeige

Kritiker der «Abenomics» warnen davor, dass die Wirtschaftspolitik des neuen Ministerpräsidenten die ohnehin schon rekordhohe Verschuldung weiter nach oben treiben könnte.

(sda/jev)