Wirtschaftliche Horrormeldungen aus Griechenland ist der geneigte Leser inzwischen gewohnt: Rekordarbeitslosigkeit, Rekordverschuldung, Rekordrezession. Doch nahezu unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit mehren sich die Anzeichen für Besserung: Getragen vom Tourismus könnte die Krisenwirtschaft womöglich 2014 wieder wachsen. Allein in diesem Jahr erwartet Griechenland mit mehr als 17 Millionen Besuchern und bis zu 11,5 Milliarden Euro Einnahmen ein neues Rekordergebnis.

Im zweiten Quartal stieg der Umsatz von Gastronomie und Hotellerie um 5,3 Prozent, wie die Statistikbehörde meldete. Die griechischen Hoteliers führen den Aufschwung sowohl auf innen- als auch auf aussenpolitische Gründe zurück: In Griechenland gab es in den vergangenen Monaten kaum Ausschreitungen, die Streiks haben deutlich nachgelassen. Zudem konnten Griechenland und andere europäische Mittelmeerstaaten diesen Sommer einen Teil der Verluste der Tourismusbranche aus Nordafrika und vor allem aus dem krisenerschütterten Ägypten für sich nutzen.

«Die Tourismus-Branche unseres Landes verfügt über enormes Know-how und grosses Potenzial», sagte Iossif Parsalis, Geschäftsführer von Marketing Greece, die die griechische Hotellerie- und Tourismusbranche vertritt, der Nachrichtenagentur DPA. Bis 2019 könnten 360 000 neue Jobs entstehen - das entspricht in etwa der Anzahl der Arbeitslosen im Jahr 2009. Mehr als 688 000 Griechen waren 2012 in der Reisebranche beschäftigt, hiess es.

Anzeige

Wirtschaft wächst erstmals seit 2009 wieder 

Entsprechend läuft die Gesamtwirtschaft deutlich besser: Im zweiten Quartal des Jahres fiel die Wirtschaftsleistung nach am Freitag veröffentlichten Zahlen des Statistikamts in Athen um 3,8 Prozent zum Vorjahr, nach minus 5,6 Prozent zum Jahresbeginn. Vorläufige Daten hatten fürs Frühjahrsquartal einen Rückgang von 4,6 Prozent gezeigt. 

Deutlich klarer zeigt sich die Stabilisierung beim Blick auf die saisonbereinigten Daten: Demnach dürfte das Bruttoinlandsprodukt zum Vorquartal im Frühjahr sogar erstmals seit Ende 2009 wieder gestiegen sein. So gehen die Ökonomen der Researchfirma Capital Economics davon aus, dass die Wirtschaftsleistung gegenüber Jahresbeginn um 0,7 Prozent zulegte. Es sei nicht überraschend, wenn Griechenlands Wirtschaft 2013 weniger schrumpfen würde als vom Internationalen Währungsfonds mit minus 4,2 Prozent veranschlagt (IWF), sagte Ben May, Ökonom bei Capital Economics. «Ermutigend ist, dass es möglicherweise auch Signale dafür gibt, dass die privaten Haushalte wieder mehr Geld ausgeben», sagte er. 

Rekordrezession könnte 2014 enden

So erwarten Volkswirte einen ersten Hoffnungsschimmer für 2014 mit einem marginalen Plus von 0,2 bis 0,6 Prozent Wirtschaftswachstum. Die Troika von IWF, EU und Europäischer Zentralbank geht ebenfalls von einem Mini-Wachstum von 0,6 Prozent aus. Das wäre das erste Plus nach sechs Jahren Rezession. Noch nie schrumpfte die Wirtschaft in einer entwickelten Volkswirtschaft seit dem zweiten Weltkrieg stärker. Die Lage auf dem griechischen Arbeitsmarkt bleibt jedoch weiter dramatisch: 27,6 Prozent haben derzeit keinen Job. Unter den jungen Griechen sind rund 60 Prozent ohne Tätigkeit.

(mit Material von awp)