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Umsatz
Trendwende: Preisniveau im Detailhandel steigt

Aldi-Filiale: Der Discounter punktet mit Markenprodukten.   Keystone

Den Detailhändlern geht es besser: Nach Jahren des Preis- und Absatzrückgangs punkten vor allem Discounter mit Markenprodukten.

Von Benita Vogel
am 06.05.2014

Jahrelang haben sich die Detailhändler gegenseitig mit Preisen unterboten, dennoch gingen die Absatzmengen zurück. Jetzt ist beides erstmals wieder gestiegen:  Die Volumen im Detailhandel legten 2013 um 0,7 Prozent, das Preisniveau um 0,8 Prozent zu. Das ergibt ein Gesamtumsatz-Plus von 1,5 Prozent, wie die neusten Zahlen des Marktforschers Nielsen zeigen. Im Vorjahr betrug der Umsatzrückgang 0,6 Prozent, 2011 sogar 2,8 Prozent. Der wichtigste Wachstumstreiber waren die Frischprodukte, sagt Simone Müller von Nielsen Schweiz.

Grund dafür waren vor allem die höheren Preise. Auch andere Kategorien wie Getränke  verkauften sich besser. Einzig bei den Nearfood-Produkten wie Waschmittel hielt das Umsatzminus an, wenn auch nicht mehr so stark wie in den Vorjahren. Grund dafür dürfte der anhaltende Preisdruck sein.

Lidl und Aldi profitieren am stärksten

Good News gibt es Detailhandel auch auf der Konsumentenseite. Die Haushalte geben laut Nielsen auch wieder mehr aus. Der wertmässige Konsumanstieg betrug 0,7 Prozent. Davon floss aber nicht alles in den klassischen Detailhandel wie die Supermärkte von Coop, Migros oder die Volg-Lädeli.

Die Schweizer gaben Geld im Ausland und in Convenience-Läden aus. Ein Grossteil der Mehrausgaben landete in den Kassen der Discounter Aldi und Lidl. Die konnten  bei Konsumenten punkten, weil sie immer mehr Markenprodukte verkaufen. So hat Aldi laut Nielsen die Anzahl Markenprodukte letztes Jahr mehr als verdoppelt von 110 auf 240 Marken.

Auch Lidl hat die geführten Marken erhöht von 290 auf 340. Die Discounter seien in der Schweiz schon so gut etabliert, dass jeder Haushalt 1,5 mal pro Monat dort einkaufe und im Schnitt 34 Franken ausgeben. Müller sagt: «Die Durchschnittsausgaben liegen damit nur noch 20 Prozent unter dem Durchschnitt im klassischen Detailhandel.»

Bild von der Hochpreisinsel nur teils korrekt

Das Thema Tiefpreise bleibt damit im Schweizer Detailhandel ein Dauerthema. Das Bild der  Schweiz als Hochpreisinsel hat sich inzwischen tief in den Köpfen  der hiesigen Konsumenten verankert.  Mineralwasser beispielsweise kostet im Geschäft vier Mal weniger als die Schweizer meinen. Der Preis von Brot ist in den Köpfen der Konsumenten 60 Prozent höher als der tatsächliche Preis im Laden, das haben Umfragen von Nielsen ergeben.  Kein Wunder also, dass Schweizer Konsumenten sensibler sind was Preiserhöhungen angeht als etwa Kunden im restlichen Europa.

Promotionen sind da ein willkommener Preisbrecher. Über die Hälfte der Befragten weicht gemäss der Nielsen-Umfrage auf Aktionen aus. Diese werden von den Detailhändlern in der Schweiz inflationär eingesetzt.
 

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