Der riesige Verlust des ersten Quartals weitet sich aus: Die Schweizerische Nationalbank (SNB) macht auch im zweiten Quartal 2015 ein Minus von 20 Milliarden Franken. In der Summe ergibt das eine desaströse Bilanz für das erste Halbjahr: minus 50,1 Milliarden Franken. Gemäss SNB-Sprecher Walter Meier ist das ein neuer Negativrekord.

Das hat Folgen: Es ist fraglich, ob die SNB eine Gewinnausschüttung an Bund und Kantone leisten kann. «Sollte sich das Ergebnis der SNB bis Ende Jahr nicht verändern, ist eine Ausschüttung an Bund und Kantone und eine Dividende ausgeschlossen», bestätigt denn auch ein Sprecher der SNB gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Währungskurse entscheidend

Entscheidend wird sein, wie sich die Währungskurse entwickeln werden. Die SNB hält per Ende Juni 2015 Devisen im Wert von 530 Milliarden Franken – das sind 93 Prozent aller Vermögenswerte. Den grössten Anteil der Anlagen macht mit 42 Prozent der Euro aus. Der Anteil des US-Dollars beträgt per Ende Juni 32 Prozent und die Anlagen im japanischen Yen machen 8 Prozent aus. 7 Prozent beträgt der Anteil des britischen Pfunds.

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Weil sich die Devisenkurse seit Aufgabe des Mindestkurses zu Ungunsten des Frankens entwickelt haben, resultiert auf diesen Fremdwährungsbeständen ein Halbjahresverlust von 47 Milliarden Franken.

Geldsegen bei halbierten Verlusten

Damit die SNB doch noch Geld verteilen kann, müssen die Verluste über das gesamte Jahr deutlich sinken. Die Ökonomen der Credit Suisse glauben, dass die Kantone und der Bund auf einen Geldregen hoffen dürfen, wenn die SNB es schafft, die Verluste bis Ende Jahr zu halbieren. Denn die Ausschüttungsreserven der SNB liegen bei rund 27 Milliarden Franken.

Die Chancen für eine Halbierung sind laut Experten der Credit Suisse durchaus intakt. Sie gehen davon aus, dass die SNB im zweiten Halbjahr sogar einen Gewinn ausweisen könnte. Der wichtigste Grund: ein schwächerer Franken. Die Währung verliert derzeit gegenüber den wichtigsten beiden Devisen in der SNB-Bilanz. Der Eurokurs lag zum Bilanz-Stichtag (30. Juni 2015) bei 1,0423 Franken je Euro, der US-Dollar bei 0,9305 Franken je Dollar. Mittlerweile liegt der Eurokurs bei fast 1,06 Franken, der US-Dollar bei 0,97 Franken. Das entspricht einer Aufwertung von 1,7 und 4,3 Prozent, wenn der Euro heute auch wieder schwächelte.

Goldreserven als Spielverderber

Wenn der Franken gegenüber dem Euro, Dollar, Yen und Pfund an Wert verliert, sinken die Verluste auf den Fremdwährungspositionen. Und vor allem gegenüber dem Euro und dem Dollar liegt nochmals nochmals deutlich mehr drin. In der jüngsten Devisenprognose gehen die Experten der Credit Suisse davon aus, dass der Euro innerhalb der nächsten drei Monate auf bis zu 1,08 Franken steigen könnte. Der Dollar dürfte sogar auf bis zu 1,03 Franken klettern – getrieben von der Hoffnung auf eine US-Zinswende, die das Halten von Dollar attraktiver macht. Eine derartige Entwicklung würde die SNB-Verluste reduzieren.

Allerdings sind die Analysten der UBS zurückhaltender als die Credit Suisse in der Frage, ob der Aufschwung bei Euro und Dollar ausreicht. Sie halten laut einem aktuellen Marktkommentar eine Auszahlung Ende des Jahres für «unwahrscheinlich». Eine weitere Belastung ist der Goldpreis. Hier sind keine Anzeichen für eine Trendwende erkennbar. Das Edelmetall hat alleine im Juli vier Prozent an Wert verloren. Experten erwarten weitere drastische Kursverluste – was entsprechend auch die SNB-Bilanz tangieren würde.

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