Die Euro-Schuldenkrise und das politische Chaos in Italien drücken auf die gute Laune der deutschen Wirtschaft. Der Ifo-Geschäftsklimaindex gab im April zum zweiten Mal in Folge nach und sank diesmal ziemlich deutlich von 106,7 auf 104,4 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut am Mittwoch mitteilte. Fachleute sehen zwar noch keine Trendwende für die Wirtschaft, aber ein deutliches Warnsignal, dass die Zeiten auch für die bisher sehr robusten deutschen Firmen schwerer werden könnten.

«Die deutsche Konjunktur legt eine Verschnaufpause ein», sagte Ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen. Zwar bewerteten die Firmen ihre aktuelle Lage nach wie vor als gut, dennoch herrsche in den Chefetagen mehr Zurückhaltung. «Auch die Erwartungen an den zukünftigen Geschäftsverlauf sind nochmals zurückgenommen worden.» Die Unsicherheit habe angesichts der zuletzt in Zypern wieder aufgeflammten Euro-Schuldenkrise deutlich zugenommen, auch die Wirren um die Regierungsbildung in Italien machten die Unternehmen nervös.

Keine Trendwende

Von einer grundsätzlichen Trendwende will Ifo-Experte Klaus Wohlrabe aber nicht reden. «Damit muss man sehr vorsichtig sein. Die Unternehmen waren zum Start ins Jahr sehr optimistisch». Auch weil die Eurokrise vor der Zypern-Krise bereits wieder aus den Schlagzeilen geraten war. Mit einem Stand von 104,4 Punkten ist der Ifo-Index nun wieder auf den Stand von Januar zurückgefallen. Jetzt müsse man abwarten, wie sich die Lage in Europa weiter entwickeln werde, sagte Wohlrabe.

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«Der zweite Rückgang des Geschäftsklimas in Folge ist ein Warnsignal. Die Chance zur Erholung ist aber weiterhin da», sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. «Europa muss gemeinsam seine Anstrengungen verstärken, damit die Reformländer endlich aus der Rezession finden» Angesichts der schwierigen Lage in Europa setzt Zeuner auf Übersee. «Die USA und Ostasien sehen wir trotz jüngst etwas schwächerer Indikatoren dagegen weiter auf Wachstumskurs. Das gibt dem Export wichtige Impulse.»

Rückgang erwartet

Fachleute hatten den Rückgang erwartet, allerdings in Summe nur mit einem kleinen Schritt nach unten gerechnet. Im März war der Index überraschend gefallen, nachdem er seit November gestiegen war. Erst bei drei Veränderungen in die gleiche Richtung nacheinander sprechen Fachleute von einer Trendwende, wobei das nur eine grobe Einteilung ist. Insgesamt hält sich der Ifo-Index auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Für das wichtigste Stimmungsbarometer der deutschen Wirtschaft befragen die Wirtschaftsforscher monatlich 7.000 Firmen.

Ihre aktuelle Lage bewerten die Unternehmen im April deutlich zurückhaltender als noch im März. Der Wert hier sank von 109,9 auf 107,2 Punkte, wobei auch das noch ein recht hoher Wert ist. Die Erwartungen an die kommenden Monaten trübten sich ebenfalls ein, der Wert hier ging von 103,6 auf 101,6 Punkte zurück.

(tke/rcv/awp)