Bei den globalen Investmentbanken in Asien stehen dieser Tage ein paar Eckbüros leer. Strengere Regulierung und der Aufstieg chinesischer Wettbewerber sorgen dafür, dass weniger Börsengänge und andere grössere China-Transaktionen von europäischen und US-Banken begleitet werden. Die Geschäfte hatten im vergangenen Jahr noch Gebühren im Umfang von sieben Milliarden Dollar (6,3 Milliarden Euro) eingebracht und so Scharen gut betuchter Banker in Hongkong unterstützt.

Da sich das Geschäft wandelt, steigt die Bereitschaft der Investmentbanken, Führungspositionen unbesetzt zu lassen und auf Dienste von Bankberatern zu verzichten, die dank ihrer weiten Vernetzung mit Chinas Konzernriesen lukrative Geschäfte ans Land gezogen hatten. Gleichzeitig machen strengere Vorschriften die Positionen für ambitionierte Banker weniger attraktiv.

Weniger attraktiv wegen strengerer Vorschriften

«Das aufsichtsrechtliche Umfeld ist rigider und jede Firma durchläuft auf ihre Weise eine Strategieanpassung. Aus diesem Grund sind erfahrene Leute nicht mehr so darauf erpicht, in einer Investmentbank» in Asien zu arbeiten, erklärt David Chin, der im Juni als Investmentbanking-Chef für Asien der UBS Group AG zurückgetreten war.

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Der 47-Jährige hatte 21 Jahre bei der UBS verbracht und unter anderem am 11,2 Milliarden Dollar schweren Börsengang von Bank of China Ltd. 2006 mitgearbeitet. Die UBS hat keinen Nachfolger für Chin angekündigt.

Chinesen kaufen zu, Ausländer gehen raus

Auch bei Finanzhäusern wie der Deutschen Bank, der Credit Suisse und bei der Citigroup gingen in den letzten zwölf Monaten Banker mit jahrzehntelanger Erfahrung in China von Bord, während das Transaktionsgeschäft schwieriger wurde und globale Banken unter Druck ihrer Anleger gerieten, die Gewinne aufzubessern.

Die Geschäfte schnappen sich derweil chinesische Banken und Brokerhäuser. Sie verdienten in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 2,7 Milliarden Dollar an Gebühren im Investmentbanking, was etwa 75 Prozent des Gesamtvolumens entspricht, zeigen Daten des Marktforschers Freeman & Co. Bei den Gebühreneinnahmen aus China-Geschäften belegten im ersten Halbjahr erstmals nur chinesische Häuser die oberen acht Plätze. Die UBS war laut Freeman die einzige global tätige Bank unter den Top 10, während hier im Vorjahreszeitraum fünf Auslandsbanken zu finden waren.

«Es scheint einfach eine Wachablösung im Hongkonger Investmentbanking zu geben – traditionell erlösstarke Banken sind auf dem Rückzug und relativ neue chinesische Akteure haben Rückenwind», sagt Lachlan Colquhoun, Chef des Analysehauses East & Partners. Die Risiko- und Compliance-Bereiche seien vorsichtiger bei der Annahme neuer Geschäfte geworden sind, insbesondere wenn es politische Verbindungen gebe. Es dauere länger, bis Neukunden akzeptiert werden, und mehr vorgeschlagene Geschäfte würden abgelehnt, was Colquhoun zufolge den Weg für die chinesische Konkurrenz ebnet.

Ex-Spitzenbanker jobben nun beim Staat

Zu den jüngsten Abgängen gehört neben Chin auch der 60-jährige Henry Cai, ehemals Vorsitzender der Abteilung für Unternehmensfinanzierungen bei der Deutschen Bank. Er erhielt den Spitznamen «der Pate chinesischer Privatunternehmen» aufgrund seiner Rolle bei der ersten Welle von Börsennotierungen chinesischer Firmen im Ausland, die in den späten 90er Jahren begann. Er sass von 1992 bis 1995 im IPO-Team des Staatsrats und war auch dafür verantwortlich, die ersten chinesischen Staatsfirmen für eine Notierung in Hongkong auszuwählen.

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Cai verliess die Deutsche Bank im Februar und arbeitet nun als Berater für die Regierungen Chinas und Deutschlands. Ein Nachfolger für seinen alten Posten wurde nicht angekündigt.

Abgang bei der Credit Suisse

Bei Credit Suisse ging im Juli Zhang Liping, Co-Chef für den chinesischen Raum, von Bord. Der 56-Jährige, der elf Jahre bei der Schweizer Bank gearbeitet hatte, verfügte über enge Beziehungen zu chinesischen Finanzhäusern wie Industrial & Commercial Bank of China, bei deren Börsengang 2008 Credit Suisse mithalf. Seine Aufgaben übernimmt der andere Co-Chef, Neil Harvey, zusätzlich, der die Region nun alleine verantwortet.

Citigroup verlor in diesem Jahr ein Trio an Führungskräften: Roger Zhu, Leiter China Investmentbanking; Eugene Qian, früher President des China-Geschäfts; und Zheng Jianping, der auf Fusionen und Übernahmen in China spezialisiert war. Doch nur die Position von Zhu wurde wieder neu besetzt. Sprecher von Deutscher Bank, Citigroup, Credit Suisse und UBS in Hongkong lehnten eine Stellungnahme ab.

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Suche nach Rendite

Bei der Entscheidung, Positionen nicht mehr neu zu besetzen oder Aufgabenbereiche zusammenzulegen, spielen auch die Probleme eine Rolle, geeignete Nachfolger zu finden. Einige Kandidaten lassen sich von den hohen Hürden des Compliance-Bereichs abschrecken, sagt Andre Spicer, Professor an der Cass Business School an der City University in London. Hinzu komme bei allen Investmentbanken das seit der Finanzkrise schwierigere Klima.

«Die meisten Banken stehen unter dem Druck, ihren Aktionären gute Renditen zu bieten», erklärt Spicer. «Ein einfacher Weg sind Kostensenkungen. In diesem Fall beinhaltet das, die kostspieligen leitenden Angestellten nicht zu ersetzen.»

Banken fokussieren sich auf profitablere Bereiche

Nach Aussage des Ex-UBS-Bankers Chin fokussieren sich die Banken auf profitablere Bereiche wie Vermögensverwaltung, Derivatehandel und umfangreichere Aktien- oder Anleiheemissionen internationaler Kunden. Gefragt seien Banker, die in diesen Gebieten Kenntnisse besitzen, statt der traditionellen Banker, die gute Kontakte zum chinesischen Festland unterhalten.

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«Früher agierten die grossen Investmentbanken weitgehend wie lokale Feudalherren», konstatiert Spicer. Die hohe regulatorische Belastung sorge aber dafür, dass dies nun nicht mehr der Fall sei. «Das Management in der Zentrale wird für alles zur Rechenschaft gezogen, selbst wenn etwas in den entlegensten Filialen passiert», sagt er. «Daher ist Vorsicht das Gebot der Stunde geworden.»

(bloomberg/chb)