Der Verwaltungsratspräsident der UBS, Axel Weber, rechnet mit einer baldigen Zinswende in den USA. «Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass die Fed im September in den Zinserhöhungszyklus einsteigt», sagte der frühere Chef der Deutschen Bundesbank am Donnerstag bei einer Bankenkonferenz in Frankfurt.

Es sei höchste Zeit für eine «Normalisierung» der Geldpolitik. Dabei sollte sich die Notenbank auch nicht von den jüngsten Turbulenzen an Börsen aufhalten lassen. «Die Fed muss aufpassen, dass sie nicht zum Gefangenen der Märkte wird.»

Fed allein auf weiter Flur

Der von China ausgehende Verfall der Aktienkurse mache ihm keine Sorgen. Das sei eine normale Korrektur. An der Schwelle zu einer Trendwende bei den US-Zinsen seien solche Entwicklungen normal. Weltweit werde die US-Notenbank allerdings mit ihrer Zinswende lange allein auf weiter Flur bleiben.

Dies werde auch deren Möglichkeiten begrenzen, die Zinsen anzuheben. Für viele Jahre dürften die Zinsen nicht mehr das alte Niveau erreichen. «Ich denke, dass die Fed im neuen Zyklus nicht deutlich über drei Prozent hinauskommen wird.»

«Die Lage in Europa ist dramatisch und ernst»

Ein schlechtes Zeugnis stellte Weber erneut der europäischen Politik aus. «Die Lage in Europa ist dramatisch und ernst.» Die aktuelle Beruhigung werde nur bis zu den Wahlen in Griechenland anhalten. «Wir befinden uns im Auge des Hurrikan.» Europa müsse endlich die notwendigen tiefgreifenden Strukturreformen angehen.

Dafür habe die Europäische Zentralbank mit ihrer lockeren Geldpolitik Zeit gekauft. Allerdings nutze die Politik die Zeit zum Nichtstun, sagte Weber. Er war 2011 aus Frust über die lockere Geldpolitik der EZB als Chef der Bundesbank zurückgetreten.

Anzeige

(awp/dbe/hon)