Die Grossbank UBS empfiehlt der Schweiz, verstärkt auf Innovation zu setzen. Denn nur diese sorge künftig für Wirtschaftswachstum und Wohlstand. Die Wachstumstreiber der Schweiz in den letzten Jahre dagegen sind für die UBS nicht nachhaltig.

Die wirtschaftliche Entwicklung der Schweiz in den letzten zehn Jahren ist eigentlich eine Erfolgsgeschichte. Im Vergleich zu den Nachbarländern aber auch zu den USA und Grossbritannien ist die inländische Wirtschaft mit durchschnittlich 2 Prozent mit Abstand am kräftigsten gewachsen. Nicht einmal die Frankenstärke änderte daran etwas.

«Nicht Nachhaltig»

Vordergründig biete die Schweiz damit ein gutes Bild, sagte Lukas Gähwiler, der Präsident der UBS Schweiz, an einer Medienveranstaltung am Donnerstag in Zürich. Aber: «Dieses Wachstum ist nicht nachhaltig.» Denn das Schweizer Wirtschaftswachstum habe in den vergangen Jahren primär auf Einwanderung, einem stärkeren Konsum und höheren Ausgaben in Verwaltung und Gesundheitswesen basiert.

Der eigentliche Wirtschaftsmotor der Schweiz, die wertschöpfende Industrie, dagegen stagniere. Seit 1991 seien in diesem Wirtschaftssektor über 200'000 Arbeitsplätze abgebaut worden. Gleichzeitig hätten die Stellen in der Verwaltung und im Gesundheitswesen um rund 330'000 zugenommen. Im Endeffekt lebe die Schweiz damit von der Substanz.

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Innovations-Champ Schweiz

Das könne langfristig nicht gut gehen: «Wohlstand basiert vor allem auf Wachstum durch Innovation und unternehmerischer Wertschöpfung», sagte Gähwiler. Das Problem der Schweiz sei dabei nicht, dass zurzeit zu wenig Forschung und Entwicklung im Inland betrieben werde.

«Die Schweiz ist international gesehen ein Innovations-Champion», sagte Gähwiler. So erbrächten die 20 innovativsten Unternehmen in der Schweiz direkt und indirekt nicht nur fast 10 Prozent der Wirtschaftsleistung. Mit einem durchschnittlichen Jahreswachstum von 6,8 Prozent seit 2000 seien diese auch dreimal so stark gewachsen wie die Wirtschaft insgesamt.

Drohende Abwanderung der Forschung

Doch langfristig drohe die Schweiz diese Unternehmen und damit ihre Position als Innovationschampion zu verlieren. Denn einerseits gebe es den allgemeinen Trend, Forschung und Entwicklung an die Produktionsstandorte im Ausland zu verschieben. Andererseits führten auch der starke Franken und die Überregulierung in der Schweiz zu Verlagerungen. Dagegen müsse die Schweiz entschieden vorgehen.

«Es gilt die Rahmenbedingungen auf allen Ebenen gezielt zu verbessern, um forschungsintensive, innovative und produktive Unternehmen in der Schweiz zu halten und weiterhin neue aus dem Ausland anzuziehen», sagte Gähwiler. Die Grossbank sieht dabei drei Handlungsfelder: Neben steuerlichen Anreizen für forschungsintensive Unternehmen, der Stärkung der Ausbildung und dem Erhalt des Zugangs zu ausländischen Fachkräften soll die Schweiz vor allem auch die Bürokratie und die Regulierung eindämmen.

UBS belässt Wirtschaftsprognosen

Für das laufende und das kommende Jahr gehen die UBS-Ökonomen von einem Wirtschaftswachstum von 1,0 und 1,5 Prozent aus. Damit behält die Grossbank ihre Prognosen bei. Gemäss einer Mitteilung der UBS spürt die Schweizer Wirtschaft noch immer die Folgen der starken Frankenaufwertung. Dieser Anpassungsprozess werde sich in diesem Jahr fortsetzen. Zusätzlich dämpfend auf das Wachstum dürften sich zudem die politische Unsicherheit über die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative auswirken.

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Die UBS geht dabei von keiner weiteren Verschärfung der Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank (SNB) aus. Im Gegenteil: Falls die Europäische Zentralbank das Anleihenprogramm wie vorgesehen in einem Jahr auslaufen lasse, biete sich für die SNB die Gelegenheit, die Zinsen im Herbst 2017 zu erhöhen.

 

 

(sda/ise/chb)