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Bilanz
Über 40'000 neue Firmen: Schweizer im Gründerfieber

Einkaufsstrasse in Biel: In der Schweiz wächst die Zahl der Unternehmer.   Keystone

Noch nie gründeten Unternehmer in der Schweiz so viele neue Firmen wie im vergangenen Jahr. In einigen Branchen war aber auch das Konkursrisiko mehr als doppelt so hoch wie im Landesschnitt.

Von Mathias Ohanian
am 27.02.2014

Die Schweiz ist im Gründerwahn: Noch nie wurden hierzulande so viele Firmen neu angemeldet wie 2013. Erstmals seit Einführung des Handelsregisters im Jahr 1883 durchbrach die Zahl der Neugründungen die Marke von 40'000, wie Recherchen von handelszeitung.ch auf Basis der heute veröffentlichten Studie des Wirtschaftsdienstes Bisnode zeigen. «40'509 neue Firmen in einem Jahr sind Rekord für die Schweiz», sagte Christian Wanner, Sprecher bei Bisnode. Gegenüber Vorjahr legte die Zahl der Neugründungen damit um fast drei Prozent zu.

«2013 war auch im Kanton Zürich ein ausserordentlich positives Jahr für Firmenneugründungen», bestätigte Michael Gwelessiani, Amtsleiter des Handelsregisters Zürich, den von Bisnode festgestellten Aufwärtstrend. Er führt das kräftige Plus bei den Neugründungen ebenso wie Bisnode vor allem auf den gesamtwirtschaftlichen Aufschwung in der Schweiz zurück. In allen Quartalen legte die Wirtschaftsleistung im vergangenen Jahr zu, zuletzt um 0,2 Prozent. Mit einer Arbeitslosenquote von saisonbereinigt 3,2 Prozent herrscht nach allgemeiner Definition Vollbeschäftigung. Und viele Experten rechnen mit noch besseren Zahlen in den kommenden Monaten.

Der Aufschwung bei den Firmenneugründungen dürfte zudem eng verknüpft sein mit dem Plus an Zuwanderung in die Schweiz in den vergangenen Jahren. Wie die Handelszeitung kürzlich auf Basis von Daten von Orell Füssli Wirtschaftsinformationen berichtete, schufen in der Schweiz niedergelassene Ausländer im vergangenen Jahr rund 28'600 neue Stellen.

Plus von fast 15 Prozent seit der Finanzkrise

Kein Wunder also, dass viele Unternehmer gerade jetzt ihre Chance wittern. Wie die Bisnode-Zahlen auf Basis des Schweizer Handelsregisters zeigen, legten die Neugründungen seit der Finanzkrise 2009 bis zum vergangenen Jahr um 14,5 Prozent zu. Im Krisenjahr wurden lediglich 35'376 Firmen angemeldet. Vor allem in Branchen, in denen die Zugangshürden relativ niedrig liegen, sahen die Unternehmensgründer im vergangenen Jahr gute wirtschaftliche Perspektiven: Demnach waren die gründungsstärksten Branchen 2013 der Grosshandel, das Gastgewerbe und die Unternehmensdienstleister.

Gleichzeitg gehört das Gastgewerbe aber auch zu den Branchen, die im vergangenen Jahr am stärksten von Insolvenzen betroffen waren. Das Konkursrisiko war dort laut Bisnode über doppelt so hoch wie im schweizerischen Schnitt. Das gilt ebenso für die Baubranche. Am geringsten war die Gefahr einer Insolvenz hingegen im Textilgewerbe. «Dort hat die Konsolidierung bereits stattgefunden», so Bisnode-Experte Wanner. Auch Architekturbüros und Immobilienmakler und -verwaltungen schlugen sich weit besser als der Schnitt.

Insgesamt legten die Insolvenzen im vergangenen Jahr in der Schweiz um 2 Prozent auf 4'539 zu – damit stiegen die Konkurse unterm Strich also schwächer als die Neugründungen. Im Gegensatz zu den Zulassungen wurde bei den Insolvenzen auch das vorläufige Rekordjahr 2004, als 4751 Konkurse gezählt wurden, nicht übertroffen.

Laut Bisnode-Experte Wanner dürfe der kräftige Anstieg bei den Insolvenzen im Januar nicht überbewertet werden. Er rechnet für die kommenden Monate wieder mit einer besseren Entwicklung.

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