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Schuldenkrise
Über Griechenlands Firmen kreist der Pleitegeier

Arbeiter in einer stillgelegten Fabrik: Die Handelskammer fürchtet um die Zukunft vieler Firmen. Keystone

Kaum ist der Grexit vom Tisch, droht Griechenland eine Welle von Unternehmenspleiten. Firmen kämpfen ums Überleben, die Kapitalverkehrskontrollen bluten sie aus. Linderung ist erst im August in Sicht.

Veröffentlicht am 22.07.2015

Nach der vorläufigen Rettung Griechenlands vor dem Staatsbankrott droht nun in der Wirtschaft eine Pleitewelle. Seit Wochen sind Kapitalverkehrskontrollen in Kraft und schnüren vielen international vernetzten Firmen die Luft zum Atmen ab: Wenn das bis Mitte August so weitergeht, stehen nach Ansicht der Handelskammer in Athen Unternehmen reihenweise vor dem Aus.

In einem Brandbrief an das Finanzministerium machte Kammer-Präsident Konstantinos Michalos seinem Ärger nun Luft: «Wir müssen ihnen mitteilen, dass ein Grossteil der griechischen Firmen kurz davor steht, den Betrieb einzustellen.» Die Kontrollen waren Ende Juni eingeführt worden, um der Kapitalflucht einen Riegel vorzuschieben und ein Ausbluten des Finanzsystems zu verhindern.

Noch wird mit Brüssel verhandelt

Damals räumten viele Griechen ihre Konten aus Furcht vor einer Pleite des Landes leer. Nun hat es aber wieder eine Perspektive in der Euro-Zone: Griechenland will sich in den anstehenden Detail-Verhandlungen bis zum 20. August ein bis zu 86 Milliarden Euro schweres Rettungspaket seiner Gläubiger sichern.

Bis dahin müssen Hellas-Firmen wohl mindestens noch durchhalten. In einigen Staaten haben Kapitalverkehrskontrollen aber noch viel länger bestanden – so etwa in Zypern, wo sie 2013 eingeführt wurden und die letzten Beschränkungen erst dieses Jahr fielen.

Firmen können nicht bezahlen

Die Kontrollen in Griechenland könnten sich als Bumerang erweisen. Firmen, die Waren aus dem Ausland beziehen, können ihre Rechnungen seit Wochen nicht mehr begleichen. «Ein Riesenproblem in vielen Bereichen», klagte der Handelskammer-Chef.

Nach der vorläufigen Einigung Griechenlands mit den Gläubigern samt Brückenfinanzierung seien die Firmen leer ausgegangen: «Das ganze Geld, das das Land nun bekommen hat, wurde für Gehälter von Staatsdienern und für Pensionäre ausgegeben, oder um die Bankautomaten aufzufüllen», so Michalos. Geldtransfers der Firmen seien dabei ausgespart worden.

Bürokratie ist ein weiteres Problem

Auch die Bürokratie bremst die Firmen offenbar aus. Auf Antrag kann Geld zwar trotz der Kapitalverkehrskontrollen ins Ausland transferiert werden. Doch die zuständige Kommission winkt diese nicht einfach durch. So hat ein Konzern aus der Nahrungsmittelbranche eine Auslandsüberweisung von 650’000 Euro beantragt.

Bewilligt wurden jedoch nur 9000 Euro, wie Michalos erläuterte: «Das ist nicht lustig.» Das betroffene Unternehmen gehöre zu den Schwergewichten auf dem Inlandsmarkt und müsse nun ernsthaft darüber nachdenken, die Produktion dichtzumachen.

Misstrauen im Ausland

Viele Geschäftspartner im Ausland trauen den griechischen Firmen in Finanzdingen zudem nicht mehr über den Weg. Diese bittere Erfahrung machte auch die Einkaufsmanagerin von Pitsos, dem grössten einheimischen Produzenten von Elektronikgeräten. Keine Schraube erhalte sie mehr ohne vorherige Zahlung, sagte Vasiliki Mourafeti: «Früher haben wir alle 14 Tage Ware erhalten. Jetzt heisst es: Griechenland ist pleite. Lieferung nur gegen Vorkasse.»  

(reuters/mbü)

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