In Grossbritannien ist die Arbeitslosigkeit überraschend gestiegen. In den drei Monaten bis inklusive Dezember habe die Arbeitslosenquote im Vergleich zum vorangegangenen Zeitraum von 7,1 Prozent auf 7,2 Prozent zugelegt, teilte das nationale Statistikbüro ONS am Mittwoch mit. Volkswirte hatten hingegen ein Verharren der Quote auf dem niedrigsten Stand seit März 2009 erwartet.

Damit hat der überraschend schnelle und starke Rückgang der britischen Arbeitslosenquote vorerst ein Ende gefunden. Die Quote liegt wieder etwas stärker über der Marke von sieben Prozent, von der an die britische Notenbank bis vor kurzem noch grundsätzlich Zinserhöhungen in Betracht gezogen hatte.

Leitzins auf historischem Tiefstand

Erst in der vergangenen Woche hatte die Bank of England ihr Billiggeldversprechen (Finanzjargon: «Forward Guidance») nach nur sechs Monaten von der Entwicklung der Arbeitslosenquote entkoppelt. Der Leitzins dürfte also auch auf dem historischen Tiefstand von 0,5 Prozent bleiben, wenn die Quote unter 7,0 Prozent fallen sollte.

Arbeitslosenquote dürfte wieder fallen

Trotz des zuletzt leichten Anstiegs der Arbeitslosigkeit erwarten Experten aber keine Trendwende am Arbeitsmarkt. In den kommenden Monaten dürfte die Quote unter die Schwelle von 7,0 Prozent fallen, hiess es in einer Einschätzung der französischen Grossbank Societe Generale. Auch die britische Notenbank hält es für möglich, dass dieser Wert im Frühjahr unterschritten wird.

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Eine Aufhellung der Lage am Arbeitsmarkt zeigte sich bereits beim Blick auf die absoluten Zahlen, die zudem höhere Aktualität haben. Auf Basis der nationalen Definition (Claimant Count) sank die Zahl der Menschen mit einem Anspruch auf Arbeitslosenhilfe von Dezember auf Januar um 27'600 und damit stärker als erwartet. Zudem wurde der Rückgang im Vormonat auf 27'700 nach oben gesetzt. Die absoluten Arbeitsmarktdaten nach nationaler Rechnung laufen der nach internationalen Standards (ILO) erhobenen Arbeitslosenquote immer einen Monat voraus.

(awp/gku)