Angesichts der Eskalation der griechischen Schuldenkrise hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) auf dem Devisenmarkt interveniert. Das bestätigte SNB-Präsident Thomas Jordan heute Morgen auf dem «Swiss Financial Forum» in Bern. Die Nationalbank «sei stabilisierend am Markt aufgetreten», so der oberste Währungshüter.

Jordan begründet den Schritt, dass die Nachfrage nach Franken zugenommen habe. Dennoch sei die Aufgabe des Mindestkurses richtig gewesen, da die Massnahme nicht mehr nachhaltig gewesen sei. Die SNB habe seit dem 15. Januar immer gesagt, dass sie bei Bedarf am Devisenmarkt intervenieren werde. Die am Wochenende eingetretene Situation in Griechenland habe diesen Bedarf gerechtfertigt. Jordan machte allerdings auch auf Nachfrage keine Angaben zum Ausmass der Interventionen und weiteren möglichen Transaktionen.

Intervention dürfte sich in Grenzen halten

Christian Gattiker, Chef-Stratege bei der Julius Bär, geht allerdings nicht von einem ungewöhnlich grossen Volumen aus: «Die SNB dürfte nicht heftig am Devisenmarkt interveniert haben.»

Das zeige der Blick auf den Franken-Dollar-Kurs. Dieser blieb trotz der Hiobsbotschaften aus Griechenland am Wochenende mehr oder weniger stabil. «Der Franken hat sich gegenüber dem Dollar seit Freitag kaum aufgewertet», so Gattiker gegenüber handelszeitung.ch. Derzeit kostet der Dollar 0.93 Franken, der Euro knapp 1.04 Franken.

Dollar als sicherer Hafen

Von heiftigen Kursschwankungen wie etwa im Jahr 2011 sei man daher weit entfernt. Damals verlor der Dollar gegenüber dem Franken um 10 Prozent, da die Investoren in der Schweizer Währung einen sicheren Hafen sahen.

Derzeit sei das allerdings anders. «Wenn es in Europa zu unsicher wird, flüchten die globalen Investoren weniger in den Franken, sondern in den Dollar», sagt Gattiker. Da es beim Franken-Dollar-Kurs aber übers Wochenende keine starken Schwankungen gab, dürften sich die Ausschläge beim Währungspaar Franken-Euro auch ohne Zutun der SNB in Grenzen gehalten haben.» Demnach dürfte die Nationalbank nicht mit allzu grossem Geschütz an den Märkten eingefahren sein.

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«Problem eines einzelnen Staats»

Doch warum blieben die starken Devisen-Schwankungen aus? «Die Investoren können die Lage besser differenzieren als im Jahr 2011», sagt Gattiker. Damals ging die Angst vor einem Auseinanderbrechen der EU um. «Heute betrachten die Investoren die Krise nicht als grossen Fehler im ganzen System, sondern eher als Problem eines einzelnen Staats.»

Zu Panikreaktion an den Märkten ist es bis jetzt noch nicht gekommen. Die Investoren glauben nicht an eine Kettenreaktion im Euroraum. «Man geht davon aus, dass die Griechen-Krise nicht auf andere Länder überschwappt», sagt der Julius-Bär-Mann. Das könne man an Zinsaufschlägen bei Staatsanleihen der Peripherieländer sehen. «Die Renditen der 10-Jährigen Anleihen von Italien, Spanien oder Portual sind nur minimal gestiegen.» Von der 6-Prozent-Marke wie vor vier Jahren sei man weit entfernt.

Anleger glauben nicht an Ausbreitung

Ein ähnliches Bild wie Gattiker zeichnet auch das deutsche Analysehauses Sentix, das am gestrigen Sonntag eine Blitzumfrage unter Investoren machte – mit über 600 Teilnehmern: Die Grexit-Wahrscheinlichkeit ist aus Sicht der Anleger durch die Referendumsankündigung nicht signifikant gestiegen. Sie hat sich gegenüber dem Wert vom 26. Juni nur unwesentlich von 48,4 auf 51 Prozent erhöht.

Allerdings hat sich nach Einschätzung der Anleger die Wahrscheinlichkeit eines Auseinanderbrechens der Eurozone im Juni erhöht. Der vom Analysehaus Sentix erhobene «Euro Break-up Index» sei von 41,2 Prozent im Vormonat auf 48,4 Prozent gestiegen, hiess es in einer am Montag veröffentlichten Mitteilung von Sentix. Den bisherigen Höchststand hatte der Index mit 73 Prozent im Juli 2012.

Diejenigen, die einen Grexit für wahrscheinlich halten, erwarten laut Erhebung keine Wendung mehr in letzter Sekunde. Für diese Anleger sei der Pfad zum Grexit unausweichlich. Dagegen rechnen die anderen Anleger zu 75 Prozent mit einer solchen «Wendung in letzter Sekunde».

(mit Material von sda und awp)