Die Juli-Zahlen der Schweizer Uhrenexporte bieten eine Premiere. Nicht im Bezug auf den Gesamtmarkt – hier hält der Negativtrend an, zum 13. Mal in Folge sinken die Exporte – aber im Bezug auf den wichtigsten Kunden der Schweizer Uhrenkonzerne. Der langjährige Spitzenreiter Hongkong wurde erstmals von den USA abgelöst.

Die Stadt hat im vergangenen Monat einen Drittel weniger Uhren aus der Schweiz eingeführt. Dieses massive Minus hat die Exportanteile nun zugunsten der USA gedreht. Und das trotz dem ebenfalls deutlichen Rückgang von fast 15 Prozent.

Kampf gegen Korruption

Der US-Markt kommt gemäss den neuen Zahlen des Verbands der Schweizer Uhrenindustrie nun auf einen Anteil von 10,9 Prozent, minimal mehr als die chinesische Stadt. Eine deutliche Sprache spricht der Zweijahresvergleich. Seit 2014 sind die Exporte nach Hongkong um rund 200 Millionen Franken gesunken und haben sich damit praktisch halbiert, die USA haben nur gerade einen Zehntel davon eingebüsst.

Der Tausch an der Spitze geht damit vor allem auf die Kappe von Hongkong. Einerseits haben sich die Schweizer Produkte durch den starken Hongkong-Dollar verteuert, andererseits hält der Kampf der chinesischen Regierung gegen Korruption an. Hochrangige Beamte hätten inzwischen Angst eine teure Uhr zu tragen, sagen Händler in Hongkong.

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Rückkäufe von teuren Modellen

Zudem haben Luxusuhren für reiche Chinesen offenbar als Statussymbol ausgedient. Wie Shaun Rein von Marktforscher China Market Research Group gegenüber dem «Wall Street Journal» sagt, wurden Schweizer Uhren von Safaris in Botswana und Fallschirmspringen in Neuseeland abgelöst.

Die Situation sei inzwischen so schlimm, dass einige Uhrenkonzerne ihre Luxuszeitmesser von Hongkonger Händlern zurückkaufen würden, um Platz für günstigere Modelle zu schaffen, so das «Wall Street Journal». Analysten gehen offenbar davon aus, dass dieses Vorgehen Tausende Uhren betrifft. Überhaupt würden die Hersteller auf diesem Markt zunehmend auf günstigere Modelle setzen.

Festlandchina holt auf

Im Bezug auf Luxusuhren entwickle sich Festlandchina besser, sagt Bruno Lannes von der Beratungsfirma Bain & Co. Der Preisunterschied, der für das chinesischen Festland bisher ein Nachteil war, schmelze und sorge für bessere Verkäufe.

Diese Erfahrung teilt Swatch. Wie das Unternehmen anlässlich seiner Halbjahresbilanz bekannt gab, steigt die Nachfrage nach Marken wie Breguet, Blancpain, Omega und Longines. Zu einem Turnaround hat diese Entwicklung indes noch nicht geführt. Für den Juli präsentiert auch China ein Minus von 6 Prozent zum Vorjahr.