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Strategie
Uhrenfirmen kaufen Ladenhüter aus Asien zurück

Besucherin an einer Uhrenmesse: Schweizer Hersteller kaufen eigene Ware zurück. Keystone

Seit über einem Jahr sinken die Uhrenexporte. Die Verkäufe laufen sogar noch schlechter als gedacht: Manche Uhren werden zu Ladenhütern – und von den Herstellern zurückgenommen.

Von Marc Bürgi
am 09.12.2016

Die Schweizer Uhrenhersteller sind unter Druck: Seit 16 Monaten sinken die Verkäufe ins Ausland, der Monat Oktober brachte den bislang stärksten Rückgang in diesem Jahr. Das Geschäft läuft sogar noch schlechter als gedacht, wie neue Zahlen der Zollverwaltung zeigen. Denn viele Zeitmesser werden zwar ins Ausland verkauft – landen aber Schluss doch wieder in der Schweiz.

So sehen die imposanten Uhrenexporte weniger beeindruckend aus: Zwar verkauften die Hersteller in diesem Jahr per Ende Oktober Uhren im Wert von 15,8 Milliarden Franken ins Ausland. Allerdings wurden gleichzeitig Waren mit einem Wert von 1,3 Milliarden Franken retourniert – acht Prozent der Exporte lösten sich in Luft auf. Vor allem teure Uhren entpuppten sich als Ladenhüter.

Hongkong an der Spitze

Über die Hälfte der unverkauften Uhren stammten aus Hongkong – also genau in dem Markt, wo der Absatz in den letzten Jahren am dramatischsten um knapp 45 Prozent zurückgegangen ist. Der chinesischen Stadtstaat hat nur einen Anteil von knapp einem Achtel am gesamten Exportgeschäft, es werden von dort also überproportional viele Zeitmesser zurückgeschickt.

Nicht alle der neuen Uhren landeten wegen der fehlenden Nachfrage wieder in der Schweiz – gemäss der Zollverwaltung war ein Teil der retournierten Ware zuvor an Messen ausgestellt worden. Allerdings hat zumindest der Luxusgüterkonzern Richemont im grossen Stil gezielt Uhren zurückgenommen, die sich schlecht verkauften.

Swatch verzichtet auf Rückkäufe

Das schmälerte der Gewinn beträchtlich: Das Mutterhaus von Marken wie Cartier, IWC oder Piaget gab für Rückkäufe zwischen Anfang April und Ende September rund 200 Millionen Euro aus, wie eine Sprecherin gegenüber handelszeitung.ch bestätigte. Es sei eine einmalige Massnahme gewesen, um den asiatischen Markt in Schwung zu bringen. Mehrheitlich seien Uhren der Marke Cartier zurückgenommen worden.

Für Hauptkonkurrent Swatch kommt eine solche Aktion offenbar grundsätzlich nicht in Frage: Der Konzern kaufe nicht seine eigene Ware zurück, die Produkte hätten ja kein Ablaufdatum, zitiert ihn das «Wall Street Journal».

Immer mehr Uhren landen wieder in der Schweiz

Seit 2011 werden immer mehr Uhren zurückgeschickt: In jenem Jahr hatten die unverkauften Stücke 22 Prozent der Schweizer Uhrenimporte ausgemacht, 2015 betrug der Anteil über einen Drittel. Der Schweizer Uhrenverband konnte auf Anfrage den Trend nicht erklären. Die Absatzkrise der Uhrenindustrie hat erst vor zwei Jahren eingesetzt, zuvor waren die Auslandsverkäufe seit der Jahrtausendwende fast kontinuierlich angestiegen.

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