Ausländische Touristen sollen in Zukunft hierzulande nicht nur Uhren kaufen, sondern auch die Ateliers besuchen, in denen die Uhren hergestellt werden. Im Jurabogen öffnen immer mehr Werkstätten ihre Tore für Besucher. Für den Tourismus könnte dies zum interessanten Nischenmarkt werden.

Ende Juni machte die Uhrmacherwerkstatt «Au Carillon d'Or» in Auvernier NE ihre Räumlichkeiten Besuchern zugänglich, einige Wochen später folgte das Atelier Zeitwinkel in Saint-Imier BE. Das sind die zwei jüngsten Beispiele dafür, dass Touristen für die Uhrmacherei begeistert werden sollen.

Corum als Vorreiter

Das neue Angebot richtet sich vor allem an kleinere Gruppen bis zehn Personen, die in die Welt der Uhrmacher eintauchen möchten. Dabei wird auch die Möglichkeit geboten, ein Armband zu reparieren und eine Uhr zusammenzubauen wie bei Louis Chevrolet in Pruntrut JU.

Eine Vorreiterrolle nahm der Luxusuhrenhersteller Corum aus La Chaux-de-Fonds NE ein. Vor zwei Jahren entschied er, jeden Dienstag Besucher in seine Werkstätte einzulassen. Damit könne die Region und die Uhrenindustrie bekannt gemacht werden, sagt Corum-Vizepräsident Jacques-Alain Vuille.

Produzenten kennenlernen

«Die Nachfrage aus der Uhrenindustrie, solche Werkstätten öffentlich zugänglich zu machen, steigt», erklärt Vincent Matthey von Neuenburg Tourismus. «Die Touristen möchten eine Verbindung zum Produzenten schaffen, egal ob es um Käse oder Uhren geht», sagt Guillaume Davot, Direktor von Tourismus Berner Jura.

Die Werkstätten sind nicht die einzigen, die das öffentliche Interesse an der Uhrmacherei fördern wollen. In Genf gibt es bereits den Stadtrundgang «Geneva Watch Tour», auf dem Besucher an 50 Uhrenhändlern vorbeikommen. Seit diesem Frühling fährt ein restaurierter Zug aus dem Jahr 1953 auf den Spuren der Geschichte der Uhrmacher von La Chaux-de-Fonds durch die Freiberge bis nach Tavannes BE.

Longines lockt mit Museum

Ergänzt werden diese neuen Aktivitäten durch klassische Angebote wie das Uhrenmuseum von Longines in Saint-Imier BE. Auch locken die Uhrenstädte La Chaux-de-Fonds und Le Locle, die beide seit 2009 zum UNESCO-Welterbe zählen.

2015 zählte die Schweizer Hotellerie 35,6 Millionen Logiernächte von Touristen, davon knapp 20 Millionen von Ausländerinnen und Ausländern, wie das Bundesamt für Statistik mitteilte. Während die Zahl der ausländischen Gäste zurückging, blieben etwas mehr Schweizerinnen und Schweizer für die Ferien im Heimatland.

Ausländische Gäste in Genf

Vom gesamten Hotel-Angebot entfielen 2014 rund 8 Prozent auf den Jurabogen und auf Genf. Auch sind die Betriebe – ausser in Genf – durchschnittlich eher klein.

In der Tourismusregion Jura und Drei-Seen-Land kamen etwas mehr als die Hälfte der Gäste aus der Schweiz, in Genf dagegen vorwiegend aus dem Ausland.

(sda/ise/ama)

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