Noch vor Kurzem gaben sich die Anbieter zuversichtlich. «Nein, alles läuft normal. Ich habe auch mit FTI und Schauinsland aus Deutschland gesprochen – und die spüren ebenfalls keine negativen Wirkungen», sagte Kadir Ugur, Chef des Schweizer Marktführers für Türkei-Reisen Bentour vor zehn Tagen. Doch die Proteste auf den Strassen türkischer Grossstädte rissen seither nicht ab. Und inzwischen spüren die Reisebüros die Folgen.

Die Einbrüche sind drastisch: «Wir stellen fest, dass die Unruhen in Istanbul zu stark rückläufigen Buchungszahlen führen», sagt Matthias Thürer von Ebookers Schweiz. Für handelszeitung.ch errechnete der Marketingchef des Online-Reisebüros die genauen Zahlen. Die Flugbuchungen von helvetischen Kunden gingen seit Ausbruch der Unruhen im Vergleich zum Vorjahr um 19 Prozent zurück. Die Reservationen für Hotels brachen 14 Prozent ein.

Auch der Süden leidet

Nicht nur die Metropole am Bosporus ist betroffen. Auch klassische Badeorte im Süden des Landes verzeichnen ein markantes Minus. «Auswirkungen sehen wir auch in der Südtürkei wo unsere Top-Badedestination Antalaya seit dem Beginn der türkischen Proteste 18 Prozent weniger gebucht wurde», so Thürer.

Das ist umso schmerzhafter für die Branche, als dass der Mai sie noch überaus zuversichtlich stimmte. DIe Flugbuchungen für Istanbul lagen im letzten Monat 7 Prozent höher als im Vorjahr, die Städtereisearrangements gar 53 Prozent, wie Ebookers errechnete.

Anfragen gehen massiv zurück

Auch das deutsche Reiseportal Trivago meldet EInbrüche. Die Hotelanfragen für Istanbul seien seit den Protesten um 99 Prozent eingebrochen, meldete es. Für Ankara liege das Minus bei 86 Prozent. Auch Trivago sieht den Effekt bei den Stranddestinationen wie Antalya, Bodrum, Izmir, Cesme, Marmaris, Kusadasi und Fethiye. 81 Prozent weniger oft wurden sie gesucht.

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