Europäische Firmen stehen aufgrund von Liquiditätsengpässen unter erheblichem Druck, so das Fazit des von Intrum Justitia verfassten European Payment Index 2014. Aus der zwischen Januar und März in 33 Ländern zum zehnten Mal durchgeführten Befragung resultierte ein Zahlungsausfall von «mittlerweile atemberaubenden 360 Milliarden Euro», wie es heisst.

Auch die Schweiz kann sich diesem Trend nicht verschliessen: Die Zahlungsausfälle stiegen innert Jahresfrist von 7,8 auf 8,3 Milliarden Franken. «41 Prozent der befragten Schweizer Unternehmen melden Liquiditätsengpässe als Folge verspäteter Zahlungen», so die Studie – im Vorjahr hatte dieser Wert noch bei 36 Prozent gelegen.

Europäische Spitzenwerte

Mit einem Forderungsausfall von lediglich 1,9 Prozent liegt die Schweiz hinter Finnland – und ex aequo mit Norwegen – allerdings auf dem guten zweiten Platz. Am Ranglistenende liegen Kroatien, Serbien und Griechenland mit jeweils 10 Prozent Ausfällen. «Rund 23 Prozent der befragten Schweizer Unternehmen glauben, dass die Risiken in den kommenden zwölf Monaten weiter steigen werden», so die Studie.

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Allerdings würden nur 15 Prozent daran zweifeln, dass sie von ihrer Bank im Ernstfall Unterstützung bekommen würden – das ist der niedrigste Prozentsatz aller Länder. 33 Prozent geben sich sogar zuversichtlich, dass die Bank helfe, ihr Wachstum auszubauen oder anzukurbeln.

Kettenreaktion wird beschleunigt

Dadurch beschleunige sich laut Intrum-Justitia-Direktor Thomas Hutter eine negative Kettenreaktion, «die zu weitreichenden Massnahmen führen kann. Am schlimmsten betroffen sind kleine und mittelständische Unternehmen, sogenannte KMU – also die Firmen, die für den Grossteil des Wachstums verantwortlich sind.»

«Stellen Sie sich vor, den europäischen Unternehmen stünden diese 360 Milliarden Euro zur Verfügung, um sie in ihre Geschäfte zu investieren, statt sie jährlich abschreiben zu müssen», so Hutter. «Wenn alle Rechnungen fristgerecht bezahlt würden, könnten weitere Arbeitsplätze in unserer Wirtschaft geschaffen werden.»

Arbeitslosigkeit durch Zahlungsausfälle

Auch in Europas grösstem Wirtschaftsraum Deutschland hätten die Unternehmen laut Studie unter fehlender Liquidität zu leiden: Rund 35 Prozent der deutschen Firmen waren der Ansicht, dass späte Zahlungen einen grossen Einfluss darauf hätten, ob Mitarbeiter entlassen würden», heisst es. Gemäss den befragten Unternehmen werde die Rekordarbeitslosigkeit in Europa durch Zahlungsausfälle angeheizt.

Diese Problematik hindere daran, neue Mitarbeiter einzustellen, während ein Viertel der Befragten der Auffassung sei, dass als Konsequenz sogar Angestellte entlassen werden müssen. «In der Schweiz stellen 15 Prozent der Unternehmen nicht ein und 10 Prozent entlassen Angestellte», heisst es.