Die Schweizerische Notenbank (SNB) dürfte ihre Geldpolitik vor der mit Spannung erwarteten Abstimmung über einen EU-Austritt Grossbritanniens unverändert lassen. Die Währungshüter dürften das Zielband für ihren Referenzzins Dreimonats-Libor bei minus 1,25 bis minus 0,25 Prozent belassen.

Dies erwarten alle 35 von der Nachrichtenagentur Reuters befragten Ökonomen. Der Strafzins, den Banken für ihre Einlagen bei der Zentralbank bezahlen müssen, dürfte in der Mitte dieser Bandbreite bei minus 0,75 Prozent bleiben, wie aus der Umfrage hervorgeht.

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Schweiz als sicherer Hafen

«Eine weitere Zinssenkung der SNB ist kaum Gegenstand von Diskussionen und käme einer Sensation gleich», sagte Thomas Stucki von der St. Galler Kantonalbank, der früher bei der SNB für die Verwaltung der Devisenreserven verantwortlich war. Ziel der Schweizer Währungshüter ist es, einen weiteren Höhenflug des Franken zu verhindern. Denn das würde der exportorientierten Industrie des Landes grossen Schaden zufügen.

Genau das droht nach Einschätzung von Experten jedoch bei einem «Brexit»: Denn dann könnten verunsicherte Anleger Milliarden von der Insel abziehen und stattdessen in den sicheren Hafen Schweiz fliehen. Die Briten stimmen am 23. Juni über den EU-Verbleib ab - eine Woche nach der SNB-Zinsentscheidung.

Franken wieder teurer geworden

SNB-Direktoriumsmitglied Fritz Zurbrügg hatte jüngst eingeräumt, dass durch einen «Brexit» ausgelöste Bewegungen im internationalen Währungsgefüge auch den Franken beeinflussen können. Angesichts der steigenden Unsicherheit vor dem Referendum war die Währung am Donnerstag zum Euro auf den höchsten Stand seit sieben Wochen geklettert. Ein Euro kostete zuletzt rund 1,09 Franken.

Eine wichtige Waffe der SNB gegen eine Franken-Aufwertung sind neben den Negativzinsen Interventionen am Devisenmarkt: Dabei kauft die SNB andere Währungen wie etwa den Euro, um den Franken zu schwächen.

(sda/cfr)