Historische Entscheidungen wie die Europäische Zentralbank hat die US-Notenbank Fed derzeit wahrscheinlich nicht im Köcher. Dennoch richten sich die Augen der globalen Finanzwelt gebannt auf Washington - schon Andeutungen könnten die Märkte bewegen.

Nach teilweise ernüchternden US-Wirtschaftsdaten entscheidet die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) am heutigen Mittwoch über ihren künftigen geldpolitischen Kurs. An den Finanzmärkten weltweit wurde gerätselt, ob die Fed trotz des Konjunktureinbruchs im ersten Quartal daran festhält, ihre milliardenschweren Anleihekäufe zur Stützung der Wirtschaft weiter zu reduzieren.

Ausserdem erhoffen sich Analysten neue Hinweise darauf, wie lange die Fed weiter an ihrer Nullzinspolitik festhält. Experten meinen, dass der Rückgang beim Bruttoinlandprodukt (BIP) zwischen Januar und März keine Auswirkungen auf den Plan der Fed haben wird, ihre Geldpolitik weiter zu straffen.

Seit Jahresbeginn reduzierte die US-Notenbank ihren Erwerb von langfristigen Staatsanleihen und Immobilienpapieren bereits schrittweise von 85 Mrd. auf 45 Mrd. Dollar pro Monat. Eine weitere Kürzung um 10 Mrd. Dollar gilt als wahrscheinlich, da die Fed das BIP-Minus im ersten Quartal bisher als vorübergehende Schwäche qualifizierte.

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EZB-Entscheid ohne Auswirkung

Die historische Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) dürfte demnach keine Auswirkung auf die Überlegungen in Washington haben. Fed-Chefin Janet Yellen betonte mehrfach, sich allein für die amerikanische Volkswirtschaft verantwortlich zu sehen.

Jedoch gibt es seit der EZB-Entscheidung auch Stimmen, die der Fed raten, länger an ihrem Niedrigzins zwischen 0 und 0,25 Prozent festzuhalten. Bislang wird die Erhöhung für Mitte 2015 erwartet.

Hinweise über den möglichen Zeitpunkt der ersten Leitzinserhöhung seit 2006 erhoffen sich Fachleute von den neuen Fed-Prognosen zur US-Konjunktur und Yellens Medienkonferenz am Mittwoch.

«Investoren werden genau beobachten, wie die Fed auf die verbesserte Lage am Arbeitsmarkt und die anziehende Inflation reagiert», sagte Chefökonom Pierre-Olivier Beffy vom Vermögensverwalter Exane BNP Paribas.

Im Mai zog die US-Teuerungsrate überraschend weiter an auf 2,1 Prozent. Die Inflationsrate erreichte damit den höchsten Stand seit Oktober 2012. Analysten waren von einem unveränderten Wert von 2,0 Prozent ausgegangen. Die neuen Projektionen der Fed zu Wachstum und Inflation könnten jedoch Spekulationen über eine frühere Zinswende anfachen.

IWF für weiterhin tiefe Zinsen

Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) könnte es sinnvoll sein, wenn die Fed länger als bisher beabsichtigt an ihrem historischen Niedrigzins festhält. Die Organisation erwartet eine lange wirtschaftliche Durststrecke für das Land.

Das Wachstum werde in den kommenden Jahren im Mittel wohl nur rund 2 Prozent betragen. Damit würde es klar unter dem historischen Schnitt bleiben, hatte der IWF in einem am Montag veröffentlichen Bericht erklärt.

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(sda/chb)