Die US-Notenbank Federal Reserve hält wie erwartet an ihrem geldpolitischen Kurs fest. Wie sie nach einer zweitägigen Sitzung ihres für die Geldpolitik entscheidenden Offenmarktausschusses (FOMC) in Washington mitteilte, bleibt der Leitzins erwartungsgemäss bei null bis 0,25 Prozent. Der Leitzins soll laut Fed so lange auf diesem Niveau bleiben, bis die Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent gefallen ist.

Die Aufkäufe von Immobilien- und Staatsanleihen, die die Fed im Dezember auf 85 Milliarden Dollar pro Monat erhöht hatte, werden fortgesetzt, bis sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt substanziell gebessert hat. Allerdings liess sich Fed-Chef Bernanke ein Hintertürchen offen: «Wenn wir sehen sollten, dass sich die Lage (am Arbeitsmarkt) deutlich ändert, dann könnten wir die Geschwindigkeit der Käufe ändern.»

Noch stärkerer Konjunktur-Stimulus?

Den Leitzins wollen Bernanke und die grosse Mehrheit im FOMC erst dann erhöhen, wenn die Arbeitslosenquote von aktuell 7,7 auf mindestens 6,5 Prozent gefallen ist. Der Notenbankchef machte bei seinem Auftritt vor der Presse in Washington nach dem Zinsbeschluss zudem klar, dass die Fed selbst in diesem Fall nicht automatisch auf die geldpolitische Bremse treten und die Zinsen erhöhen werde.

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Ganz im Gegenteil: «Ein zusätzliches Mittel um die Wirtschaft noch stärker anzukurbeln, könnte sein, den Schwellenwert noch weiter zu senken.» Die Mehrheit der führenden US-Notenbanker gehen derzeit davon aus, dass sie erst 2015 den Schlüsselzins antasten werden, da sie erst dann mit einer Arbeitslosenquote von unter 6,5 Prozent rechnen. Der Beschluss wurde mit einer Gegenstimme gefällt.

Bernanke verteidigt laxe Geldpolitik

Bernanke verteidigte seine laxe Geldpolitik. Wie er seien die meisten massgeblichen US-Notenbanker der Ansicht, dass der niedrige Leitzins und vor allem die Anleihenkäufe, über die die Fed Monat für Monat frisches Geld in die Wirtschaft pumpt, recht probate Mittel seien, um die Konjunktur zu beleben.

Über die damit verbundenen Risiken - etwa Preisblasen auf einigen Märkten und einen Anstieg der Inflationserwartungen - sei im Ausschuss zwar diskutiert worden. Die Meinung der Mehrheit der Notenbanker sei jedoch gewesen, dass die Risiken handhabbar seien. Die Mutmassung, dass die jüngsten enormen Kursgewinne am Aktienmarktes eine Folge des billigen Geldes der Fed seien, mochte Bernanke nicht teilen.

Verärgert über US-Finanzpolitik

Stattdessen betonte der Notenbankchef, dass letztlich neben der Krise die Politik und ihre unsolide Finanzpolitik Schuld an der aggressiven Geldpolitik der Fed sei. «Ich fordere deshalb den Kongress und die Regierung auf, zu tun, was nötig ist, um uns wieder auf einen nachhaltigen finanziellen Kurs zu führen, ohne dabei das Wachstum abzuwürgen.»

In den USA gelten seit Kurzem massive automatische Ausgabenkürzungen mit Folgen für die Verwaltung. Schon bald könnte es, wenn sich die zerstrittenen Parteien in Washington nicht doch noch einigen, zur Schliessung von Behörden kommen. Ihre Prognose für die Konjunkturentwicklung in diesem Jahr änderten die Notenbanker trotzdem nicht.

(se/sda)