Soll die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) trotz besserer Konjunkturaussichten weiter geldpolitisch Gas geben oder eher bremsen? Diese Frage treibt den Offenmarktausschuss (FOMC) vor dem Zinsentscheid am Mittwoch um. Die sogenannten Tauben, die weitere Hilfen zur Belebung der Wirtschaft befürworten, stehen dabei den Falken gegenüber, die vor Inflationsgefahren warnen.

Die Fed stimuliert die maue Wirtschaft Monat für Monat mit dem Ankauf von Staatsanleihen und Immobilienpapieren in Höhe von 85 Milliarden Dollar. Wer würde die Geldflut lieber heute als morgen eindämmen? Und wer würde sie gerne weiter fliessen lassen? Ein Überblick zu den dieses Jahr stimmberechtigten Mitgliedern:

Ben Bernanke (Fed-Präsident)
Der Präsident ist qua Amt die wichtigste Stimme im Chor der Notenbanker. Er hat in der Finanzkrise die Geldschleusen sperrangelweit geöffnet, fährt aber eine pragmatische Linie und weiss geschickt zwischen den Lagern von Falken und Tauben zu vermitteln. Vor dem Kongress hat er am 22. Mai angekündigt, dass das Staatsanleihen-Kaufprogramm «auf einer der nächsten Sitzungen» heruntergefahren werden könne, falls sich die Beschäftigungslage nachhaltig aufhelle. Danach sieht es derzeit aber nicht aus, zuletzt war die Arbeitslosenquote sogar gestiegen. Bernanke gilt als amtsmüde - ein Indiz ist seine Absage für die an den Märkten mit Spannung erwartete Notenbanker-Konferenz in Jackson Hole Ende August. Womöglich wird US-Präsident Barack Obama bereits in den nächsten Monaten einen Nachfolger bestimmen. Beste Chancen hat Bernankes Stellvertreterin Janet Yellen.

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Janet Yellen (Fed-Vizepräsidentin)
Yellen gilt als ausgewiesene Arbeitsmarktexpertin und zugleich als Taube. Sie hat zwar ebenfalls ein Auslaufen der Konjunkturhilfen bei einer Besserung der Wirtschaftslage in Aussicht gestellt, macht aber aus ihrer Prioritätensetzung keinen Hehl: Für den FOMC müsse der Abbau der Arbeitslosigkeit im Zentrum stehen, auch wenn die Inflationsrate «zeitweise leicht über 2 Prozent» liegen sollte. Yellen wird Bernanke in Jackson Hole vertreten. Womöglich wird sie die Bühne nutzen, um den weiteren geldpolitischen Weg der Fed abzustecken.

William Dudley (New York, FOMC-Vize-Vorsitzender)
Der enge Vertraute Bernankes plädiert dafür, nichts zu überstürzen. Die Fed solle noch «drei bis vier Monate» warten, bis sie über ein Zurückfahren der Bond-Käufe entscheide. Bis dahin werde sich ein klareres Bild ergeben, wie weit die Konjunkturerholung gediehen sei. Zugleich betont Dudley, das Programm bleibe flexibel. Bei einer Eintrübung der Konjunktur könne das Tempo der Käufe auch wieder steigen.

Charles Evans (Chicago Fed)
Er gilt als Taube und ist für eine extrem lockere Geldpolitik im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Ein Ende der Bond-Käufe kommt für ihn erst in Frage, wenn der Jobmarkt über den Berg ist. Dazu legt er die Latte hoch: Über mehrere Monate müssten mindestens jeweils mehr als 200'000 neue Stellen geschaffen werden. Im Mai waren es lediglich 175'000.

Erci Rosengren (Boston Fed)
Auch er steht eher im Ruf, eine Taube zu sein. Rosengren schlägt vor, in einigen Monaten eine «moderate Verringerung» der Bond-Käufe zu prüfen, falls sich der Arbeitsmarkt weiter erholt. Zunächst hatte er dafür einen Schwellenwert von 7,25 Prozent bei der Arbeitslosenquote genannt, der aus seiner Sicht Ende des Jahres erreicht werden könnte. Zuletzt stieg die Quote aber leicht auf 7,6 Prozent.

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Esther George (Kasas City Fed)
Sie hält die Geldpolitik für zu locker und plädiert für ein Zurückfahren der Konjunkturhilfen. Sie warnt, ein zu starkes Stimulieren der Wirtschaft werde die Inflation anheizen.

James Bullard (St. Louis Fed)
Der Notenbanker sorgt sich um die Preisstabilität, allerdings nicht wegen möglicher inflationärer Auswirkungen der Geldschwemme, sondern wegen des derzeit zu niedrigen Preisauftriebs. Er möchte die Anleihe-Käufe solange fortsetzen, bis die Inflationsrate wieder auf den Zielwert der Fed von zwei Prozent gestiegen ist. Andernfalls drohe das Inflationsziel an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Im April ging die von der Fed beobachtete Teuerungsrate (PCE) in den USA auf 0,7 Prozent zurück.

Elizabeth Duke (Mitglied Fed-Board)
Die Notenbankerin hat sich zuletzt nicht mit pointierten Kommentaren zum Anleihe-Programm zu Wort gemeldet. Allerdings sieht sie den Häusermarkt, an dem die Finanzkrise nach dem Platzen einer Blase ihren Ausgang nahm, auf dem Weg der Besserung. Zugleich warnte sie davor, ein Ende der Nullzinspolitik in einem schwachen wirtschaftlichen Umfeld einzuleiten.

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Jerome Powell (Board)
Der Zentralbanker ist für eine Güterabwägung. Wer vorübergehende Nachteile betone, müsse auch bedenken, dass die Geldspritzen das Wirtschaftswachstum förderten und sich für den Staat positiv in höheren Steuereinnahmen bemerkbar machten.

Sarah Bloom Raskin (Board) 
Die Geldpolitikerin betont, dass der US-Arbeitsmarkt trotz aller Fortschritte noch weit von einer durchgreifenden Erholung entfernt ist. Zudem macht ihr Sorge, dass die Statistik «das Ausmass des Problems unterzeichnet».

Jeremy Stein (Board)
Der Harvard-Ökonom hat zuletzt nicht eindeutig öffentlich Stellung zu dem Programm bezogen. Doch hat er die Sorge geäussert, dass die anhaltende Niedrigzinsphase eine Kredit-Blase erzeugen könnte.

Daniel Tarullo (Board)
Die Äusserungen des Notenbankers bei öffentlichen Auftritten kreisen zumeist um Themen aus dem Finanzsektor - etwa die Bankenregulierung. Zum Anleihe-Programm hielt er sich zuletzt bedeckt.

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(tno/reuters)