US-Notenbankchef Ben Bernanke bleibt bei seiner ultralockeren Geldpolitik. Die Federal Reserve werde so lange in grossem Stil Staatsanleihen und Immobilienpapiere kaufen, wie dies für eine substanzielle Verbesserung des Arbeitsmarktes in den USA nötig sei, sagte Bernanke im US-Kongress.

Trotz der jüngsten Verbesserung sei die Lage am Arbeitsmarkt insgesamt weiter kritisch. Die Geldpolitik bleibe so lange wie nötig expansiv, versprach Bernanke. «Ein voreiliges Ende oder eine Straffung birgt das Risiko, die wirtschaftliche Erholung abzuwürgen.»

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Zuletzt hatten wegen Äusserungen diverser Notenbanker in den USA Spekulationen zugenommen, die Fed könnte früher als erwartet ihre Politik des billigen Geldes zurückfahren.

Erst dann, wenn sich die Lage am Arbeitsmarkt «tatsächlich und nachhaltig» gebessert habe, wolle er die Anleihenkäufe schrittweise reduzieren, sagte Bernanke bei der Anhörung vor einem gemeinsamen Ausschuss der beiden Kammern des Kongresses.

Eine Drosselung der Ankäufe könnte seinen Worten zufolge in den nächsten Fed-Sitzungen beschlossen werden. Die Fed hat versprochen, dass sie solange den Leitzins nicht erhöht, bis die Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent gefallen ist.

Aktuell liegt sie bei 7,5 Prozent, fällt allerdings schneller als erwartet. Bernanke zeigte sich vor den Parlamentariern dennoch enttäuscht. Der Arbeitsmarkt bleibe weiter schwach.

Jubel an den Börsen

An den Finanzmärkten sorgten die Äusserungen Bernankes zunächst für steigende Kurse - sowohl an der Wall Street in New York als auch in Europa.

In Zürich schloss der Leitindex SMI 1,1 Prozent höher bei 8407 Punkten, nachdem er vorübergehend bei 8411 Punkten den höchsten Stand seit Anfang 2008 erreicht hatte. Der breite SPI, der bis auf ein Rekordhoch von 7891 Punkten stieg, schloss um 1 Prozent fester bei 7890 Zählern.

In Frankfurt übersprang der Dax erstmals in seiner gut 25-jährigen Geschichte die Marke von 8500 Punkten. Am Devisenmarkt kletterte der Euro zunächst bis fast 1,30 Dollar, rutschte später dann aber wieder deutlich ab. Gegenüber dem Franken markierte die Einheitwährung bei 1,2614 Franken den höchsten Stand seit dem 20. Mai 2011.

Der Preis für die Feinunze Gold stieg auf fast 1400 Dollar. Für den Abend wurde noch das Protokoll der jüngsten Fed-Sitzung erwartet.

«Helikopter-Ben» lässt Geld regnen

Bernanke hat im Kampf gegen die Krise in den vergangenen Jahren den Leitzins auf praktisch null Prozent gekappt und mehrere Billionen Dollar in die US-Wirtschaft gepumpt.

Diese Strategie hatte er schon als Wirtschaftsprofessor vor seinem Wechsel zur Fed in der Theorie befürwortet. Sie brachte ihm den Spitznamen «Helikopter-Ben» ein, weil er bei einem drohenden Wirtschaftskollaps säckeweise Geld auf die Wirtschaft herunter regnen lassen wollte.

(chb/sda)