Die US-Notenbank (Fed) wird wegen des schärferen Gegenwinds für die Wirtschaft immer vorsichtiger. Fed-Chefin Janet Yellen verwies am Mittwoch auf die Gefahren durch die Konjunkturabkühlung in China und die jüngsten Verwerfungen an den Finanzmärkten.

«Die Entwicklungen könnten, wenn sie fortbestehen, die Aussichten für die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt belasten», sagte sie vor dem Finanzausschuss des Repräsentantenhauses. Zwar gab Yellen keine konkrete Hinweise, wann weitere Zinserhöhungen anstehen könnten. Sie betonte, die Geldpolitik folge keinem vorgegebenem Kurs. Mit ihren Äusserungen nährte Yellen aber Erwartungen an den Börsen, dass die Fed vor raschen Schritten zurückschrecken wird.

Seit Dezember höhere Zinsen

Die Notenbank hatte im Dezember erstmals seit rund zehn Jahren den Leitzins wieder angehoben - auf 0,25 bis 0,5 Prozent. Ende Januar entschied sie dann, den Schlüsselsatz zur Versorgung des Finanzsystems mit Geld nicht weiter nach oben zu setzen.

Es gebe Unsicherheiten hinsichtlich der chinesischen Währungspolitik und der Entwicklung des Ölpreises, sagte Yellen. Die Wirtschaft der Volksrepublik war vergangenes Jahr so langsam gewachsen wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr. Zudem stehen viele Ölförderländer nach dem massiven Preisverfall des Rohstoffs unter Druck.

Yellen sprach von verschärften Geschäftsbedingungen für die amerikanischen Firmen. «Das Finanzumfeld in den USA ist zuletzt weniger günstig für das Wachstum geworden», sagte sie. Dazu trügen der Kursrückgang an den Aktienmärkten und der jüngste Aufwertung des Dollar bei. Legt die US-Währung zu, werden Exporte aus der weltgrössten Volkswirtschaft weniger konkurrenzfähig.

Stärkerer Gegenwind

Doch die Rede der obersten US-Währungshüterin enthielt nicht nur Molltöne. Es gebe gute Gründe davon auszugehen, dass die USA auf ihrem moderaten Wachstumspfad blieben. Zuwächse bei Löhnen und Beschäftigung sollten den Konsum stützen. Dies werde der Notenbank erlauben, ihren geldpolitischen Kurs allmählicher Anpassungen beizubehalten. Die Fed-Chefin warnte auch davor, aus den Marktturbulenzen vorschnelle Schlüsse zu ziehen.

An den Börsen wurden Yellens Äusserungen positiv aufgenommen. Diese zeigten, dass die Notenbank in ihrer Zinspolitik flexibel vorgehen wolle, sagten Marktteilnehmer. «Bis sich Ölpreis und Dollar stabilisieren, würde ich keine grossen Schritte von der Fed erwarten», äusserte Vermögensverwalter Brian Jacobsen von der Wells Fargo Bank.

Ökonomin Ellen Zentner von Morgan Stanley sagte, Yellen beschreibe eine Wirtschaft, die mit stärkerem Gegenwind konfrontiert sei als bisher erwartet. Daher werde die Fed auf ihrer Sitzung am 15. und 16. März voraussichtlich niedrigere Prognosen vorlegen.

(sda/chb)

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