Verbraucher, Firmen und auch die Notenbank: In den USA reden alle vom Wetter. Der strengste Winter der jüngeren Geschichte hat die Staaten von Mississippi bis Maine fest im Griff. Konsum, Arbeitsmarkt und Industrie setzten Blizzards, Schneemassen und arktische Temperaturen zur Jahreswende gehörig zu.

Doch Experten sind sich einig: Auch wenn viele Firmen ein Klagelied anstimmen, ist der Aufschwung nicht in Gefahr. «Bereits im Frühjahr wird mit steigenden Temperaturen auch das Wachstum wieder kräftiger anziehen», meint der Ökonom Steven Einhorn vom Hedgefonds Omega Advisors. Trotz des Kälteschocks wird somit auch die US-Notenbank Fed wohl damit fortfahren können, ihre Geldpolitik behutsam zu straffen.

Auch Yellen schlottert

Die neue Fed-Chefin Janet Yellen wurde zuletzt selbst von einem Blizzard kalt erwischt, der ihren ersten Auftritt im US-Senat durchkreuzte. Zuvor hatte sie in der zweiten Parlamentskammer die schwächelnde Erholung am US-Arbeitsmarkt mit der Winterkälte in Verbindung gebracht. Doch derzeit ist es auch für die Notenbank schwierig, die dämpfenden Wetter-Effekte am Arbeitsmarkt genau zu beziffern.

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Notenbank-Mitglied James Bullard räumte zuletzt offen ein, dass die Federal Reserve in dieser Hinsicht mehr oder weniger im Nebel stochern muss: «Ich nehme stark an, dass das Wetter dahinter steckt. Dennoch haben wir kein Rechenmodell dafür.» Die Notenbank hatte ihre Konjunkturspritzen Ende Januar trotz der Kältewelle gedrosselt und will ihr Anleihenkauf-Programm von derzeit monatlich noch 65 Milliarden Dollar im Laufe des Jahres komplett auslaufen lassen.

Campbell verdient mehr dank Kälte

Weil es keine Rechenmodelle für den Kältefaktor gibt, sind derzeit auch die Auswirkungen auf die US-Börsen schwer einzuschätzen. Sie tendieren noch immer knapp unter ihrem Rekordniveau. Einige US-Firmen profitierten zuletzt sogar von den Wetterkapriolen: So hat Campbell einen höheren Quartalsgewinn eingefahren, weil mehr Amerikaner im Winter zu den wärmenden Suppen des Konzerns griffen.

Auch die Energieversorger konnten sich über höhere Einnahmen freuen, da die US-Bürger ihre Heizungen stärker aufdrehten. Doch die Mehreinnahmen der Versorger fehlen den Verbrauchern im Portemonnaie. Bei der klirrenden Kälte meiden sie zudem die Geschäfte. Daher gab es zu Jahresbeginn lange Gesichter in Möbel- und Autohäusern. US-Notenbanker Richard Fisher prägte dafür den Begriff des «eingefrorenen Konsums». Die Schnellrestaurant-Kette McDonald's bekam dies im Januar ebenso zu spüren wie GNC, ein Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln.

«Eine der schlimmsten Folgen des Wetters»

Auch Fluggesellschaften mussten wegen der Blizzards Federn lassen: United Continental schätzt, dass Kältewelle und Schneechaos den Konzern allein im Januar 60 Millionen Dollar gekostet haben. «Es war eine der schlimmsten Folgen des Wetters, die wir jemals erlebt haben», klagt ein Firmensprecher.

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Auch der Autokonzern Ford befürchtet, dass die Kältewelle die Bilanz zu Jahresbeginn verhageln wird. Das Wetter versetzt der US-Wirtschaft einen kräftigen Dämpfer, so Omega-Ökonom Einhorn: «Im vierten Quartal 2013 dürfte die Kälte 0,4 Prozent Wachstum gekostet haben und für das erste Quartal sieht es ganz ähnlich aus.» Im Frühjahr werde die Wirtschaftsleistung dann aber um so schneller wieder anziehen. 

(reuters/dbe)