Der ungewöhnlich strenge Winter hat in den USA das Wirtschaftswachstum abgewürgt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte in den Monaten Januar bis März aufs Jahr hochgerechnet nur noch um 0,1 Prozent zu, wie das Handelsministeriums mitteilte. Experten rieben sich verwundert die Augen, denn das schwächste US-Wachstum seit Ende 2012 hatte praktisch niemand auf dem Zettel.

Als ein Grund für den Einbruch gilt die Kältewelle zu Jahresbeginn, die Teile des öffentlichen Lebens lähmte. Dennoch liessen sich die Amerikaner von Schnee und Eis ihre Kauflaune nicht verderben. Dies gilt als gutes Omen für die Wirtschaftsaussichten in der grössten Volkswirtschaft der Welt. Der Konsum macht in den USA mehr als zwei Drittel der Wirtschaftsleistung aus. Ein Rezessionsrisiko besteht daher nicht. «Die Erholung ist nicht in Gefahr», meint Ökonom Christoph Baltz von der Commerzbank.

Fed dreht weiter am Geldhahn

Für die US-Notenbank Fed gab es ebenfalls keinen Grund, den schleichenden Entzug ihrer Konjunkturhilfen zu stoppen. Die Fed gab am Mittwoch bekannt, die monatlichen Anleihekäufe um weitere 10 Milliarden auf 45 Milliarden Dollar zu reduzieren. Die US-Notenbank hatte zu Jahresbeginn damit begonnen, ihre milliardenschweren Geldspritzen zu drosseln. Der Konjunktureinbruch dürfte der Fed bei der Normalisierung ihrer Geldpolitik nun äusserst ungelegen kommen.

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Ob die US-Wirtschaft den Entzug gut verkraft hat, ist jedoch unklar. Noch im vierten Quartal 2013 war der Zuwachs beim BIP mit 2,6 Prozent recht kräftig ausgefallen. Der Handel lief im Winter nicht mehr so schwungvoll, da sich wegen der Kältewelle die Güter in den Häfen stapelten. Die Exporte schrumpften um 7,6 Prozent, die Importe um 1,4 Prozent. Der Winter dämpfte die Konsumlaune der Verbraucher aber nur leicht: Ihre privaten Ausgaben legten in den ersten drei Monaten des Jahres noch um drei Prozent zu. Ende 2013 waren es 3,3 Prozent.

Arbeitsmarkt kommt wieder in Schwung

Zugleich brachen im ersten Quartal die Investitionen ein. Auch hier dürften Wettereffekte ein grosse Rolle gespielt haben, wie Ökonomin Ulrike Rondorf vom Bankhaus Lampe meint: «Das Minus insbesondere der Bauinvestitionen spiegelt deutlich den Einfluss des kalten und langanhaltenden Winters in den USA wider.» Der Aufschwung sei allerdings weiter intakt. So habe beispielsweise der Einzelhandelsumsatz im März die schwachen vorangegangenen Monate nahezu wettgemacht.

Die Anleger an der Wall Street reagierten mit Aktienverkäufen auf die enttäuschenden BIP-Daten. Doch der Blick nach vorne versöhnte die Börsianer etwas. Der Arbeitsmarkt kommt langsam wieder in Schwung, wie eine Erhebung des privaten Arbeitsvermittlers ADP zeigte. Demzufolge schufen die Unternehmen im April mehr neue Stellen als erwartet.

(reuters/dbe)