Der Preis von Vanille hat sich seit 2014 beinahe verzehnfacht. Jetzt droht eine weitere Preisexplosion: Der verheerende Wirbelsturm Enawo vor drei Wochen hat in Madagaskar, dem grössten Vanilleproduzenten der Welt, bis zu 30 Prozent der diesjährigen Ernte zerstört. Das macht sich in den Glace-Preisen bemerkbar: So manche

Bereits vor dem Zyklon hatten die Preise für das schwarze Gold mit 500 Dollar (493 Franken) pro Kilo ein historisch hohes Niveau erreicht. Doch seit der Naturkatastrophe am 7. März ist der Preis um weitere 10 Prozent angestiegen, wie Berend Hachmann vom deutschen Vanille-Grosshändler Aust und Hachmann, der Nachrichtenagentur SDA sagte.

Madagaskar deckt vier Fünftel des Weltbedarfs

Zurzeit liegt der Preis in Madagaskar bei 530 Dollar. Das Ende der Preisspirale dürfte damit aber noch nicht erreicht sein. Hachmann rechnet wegen der Knappheit mit einem weiteren Anstieg auf rund 600 Dollar in diesem Jahr. Aust und Hachmann verkauft zusammen mit der Schwesterfirma in Kanada jährlich 300 bis 350 Tonnen Bourbon-Vanille. Das sind 10 bis 15 Prozent des Weltbedarfs.

Madagaskar liefert mit seiner Bourbon-Vanille etwa vier Fünftel des Weltbedarfs an Vanille. Rund 20 Exportfirmen kontrollieren die Ausfuhr und damit auch den Weltmarktpreis. An der Börse wird das Gewürz nicht gehandelt, dafür ist das Volumen zu klein.

Bei Mövenpick steigen sämtliche Glacepreise um 2,5 Prozent

Das knappe Angebot macht sich schon jetzt bei den Schweizer Preisen bemerkbar: Der Luzerner Milchverabeiter Emmi, der Vanille in Glace, Cremen, Getränken und Jogurts einsetzt, hat die Preise von gewissen Vanilleprodukten erhöht, wie eine Sprecherin auf Anfrage sagt.

Im Sommer werden auch Glaceliebhaber tiefer ins Portemonnaie greifen müssen. Bei den Mövenpick-Glaces werden sogar alle Sorten teurer: «Wir werden auf den 1. Mai die Preise für sämtliche Glacesorten um 2,5 Prozent anheben, sagte Andreas Rodel, Marketingverantwortlicher für Mövenpick-Glaces, zum «Sonntagsblick».

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Coop und Migros reagieren ebenfalls

Teurer werden Vanilleprodukte auch bei Coop: «Wir werden in den kommenden Wochen unter anderem die Preise von Vanilleglace und Vanillejoghurts erhöhen müssen», so Sprecher Ramon Gander gemäss Bericht. Bereits reagiert hat demnach Rivalin Migros, die Ende März die Preise für Vanillestängel und verschiedene Vanilleglaces erhöhte.

Preisanpassungen hat auch die Confiserie Bachmann vorgenommen. Crèmeschnitten und Luxemburgerli sind teurer geworden. Schuld am hohen Vanillepreis sind Missernten, Spekulationen und eine heftiger Wirbelsturm, der kürzlich Plantagen zerstörte.

Missernten und Spekulation

Noch vor ein paar Jahren war der Vanillepreis auf einem Tiefststand. Von 2000 bis 2013 kostete das Kilo nur 15 Dollar. Diese führte dazu, dass viele Bauern in Madagaskar ihre Felder aufgaben. Seit ein paar Jahren steigt die Nachfrage nach natürlicher Vanille stark an. Vor allem grosse Nahrungsmittelkonzerne wie Nestlé und Unilever setzen vermehrt auf natürliche Aromen.

Auf den wachsenden Bedarf können die Produzenten nicht schnell genug reagieren. Denn es dauert rund vier Jahre, bis man nach der Anpflanzung der Kletterorchideen erstmals Vanilleschoten ernten kann. Missernten und Spekulation führten dazu, dass die Preise durch die Decke gehen.

(sda/moh)