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Flut
Venezuela lässt Jumbojets voller Geld einfliegen

Venezolanischer Bolivar: Die Währung ist im Sinkflug. Keystone

In Caracas landeten in den letzten Monaten offenbar rund drei Dutzend Frachtflieger mit besonders wertvoller Ladung: Die Jumbojets waren auf Order der Politik voll mit Geld. Weitere sollen folgen.

Von Marc Iseli
am 04.02.2016

Venezuela leidet unter einem Mangel an Devisen. Die Situation ist derart brisant, dass neue Scheine aus dem Ausland in die Hauptstadt Caracas geflogen wurden. Das «Wall Street Journal» spricht von drei Dutzend 747-Frachtfliegern, die mit Geld gefüllt gewesen seien.

Die eigenen Notenbanken waren nicht in der Lage, derart viel Geld zu drucken, schreibt das Blatt unter Berufung auf sieben Personen, die mit der Angelegenheit vertraut sind. Es herrsche ein Mangel an Sicherheitspapier und Rohstoffen.

Weiteres Geld im Anflug

Die Jumbojets voller Geld seien von der Maduro-Administration persönlich bestellt worden. Mindestens fünf Milliarden Geldscheine hätten in der zweiten Hälfte des Jahres 2015 so den Weg ins südamerikanische Land gefunden.

Das ist aber noch keineswegs das Ende der Fahnenstange: Die Notenbank, so die renommierte Zeitung, habe im Dezember mit geheimen Verhandlungen begonnen. Zehn Milliarden weitere Scheine sollen den Weg nach Caracas finden. Das würde die Geldmenge im Land auf einen Schlag verdoppeln.

Hohe Inflation

Die Geldflut könnte die Teuerung anheizen und die ohnehin schon geschwächte Ökonomie weiter ins Elend stürzen, sagen Ökonomen. Bisher ging der Internationale Währungsfonds (IWF) für 2016 von einer Inflationsrate von 720 Prozent aus. Bereits im vergangenen Jahr stiegen die Preise in Venezuela um 275 Prozent – der höchste Wert weltweit.

Das importierte Geld wird aber nicht nur die Teuerung anheizen, es belastet auch den Staatshaushalt. Hunderte Millionen Dollar soll der Druck und der Import der Geldscheine gekostet haben.

Schwere Wirtschaftskrise

Das ist besonders bitter. Denn das Land mit den grössten Ölreserven der Welt leidet besonders stark unter dem derzeit niedrigen Ölpreis. In der Kasse des sozialistischen Präsidenten Nicolás Maduro klafft ein riesiges Loch, die Wirtschaftsleistung des südamerikanischen Landes dürfte in diesem Jahr um acht Prozent einbrechen. Die Wahrscheinlichkeit für eine Staatspleite innerhalb eines Jahres wird an den Finanzmärkten bei 20 Prozent gehandelt.

Selbst die Versorgung der Bevölkerung gilt inzwischen nicht mehr als gesichert. Der Nahrungsmittelkonzern Empresas Polar drängte die Regierung in Caracas diese Woche, sich dringend um internationale Unterstützung zu bemühen. Doch Staatspräsident Nicolás Maduro handelt bisher eher in der Tradition des verstorbenen Chávez, der Organisationen wie dem IWF oder der Weltbank einst den Rücken kehrte und ihre Kredite als «Mechanismen des Imperialismus» beschimpfte. Maduro bezeichnete den Nahrungsmittelkonzern als Saboteur und eigentlich Schuldigen für das knapper werdende Essen.

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