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Washington
Viel Gegenwind für Befürworter der Zinswende

Viele US-Notenbanker neigen zu tiefen Zinsen
Federal Reserve: Mehr Gegenwind für die Zinswende. Keystone

Die US-Zinswende ist keineswegs beschlossene Sache. Das Wortprotokoll zur letzten Sitzung zeigt: Die Gegner einer Leitzinserhöhung sind laut und zahlreich.

Die US-Notenbank (Fed) hat Hinweise auf eine möglicherweise spätere Zinswende gegeben. Viele Mitglieder hätten auf wachsende Risiken aus dem Ausland für die US-Wirtschaft verwiesen, heisst es im am Mittwoch veröffentlichen Protokoll zur Sitzung des geldpolitischen Ausschusses (FOMC) vom 27. und 28. Januar. Dies spreche dafür, den Leitzins für eine längere Zeit niedrig zu halten. Dem robusten Wachstum und dem starken Arbeitsmarkt stehe eine zu niedrige Inflation gegenüber.

Die Risiken für die US-Wirtschaft seien «nahezu ausgewogen», heisst es in der Veröffentlichung. Eine Belastung seien der stärkere US-Dollar, die Krisen in der Ukraine und Griechenland sowie das schwache Lohnwachstum in den USA. Auch die konjunkturelle Abkühlung in China wurde als Argument gegen eine baldige Leitzinsanhebung angeführt. Beim US-Dollar befürchten zudem einige Mitglieder eine weitere Aufwertung. Die lockere Geldpolitik anderer Notenbanken als auch die schwachen Ölpreise würden hingegen die Risiken für die US-Wirtschaft vermindern.

Sehr niedrige Inflation

Die Gegner einer raschen Zinsanhebung verweisen auf den gefallenen Ölpreis, der die Inflation unter Kontrolle halte. So lag die Jahresinflationsrate im Dezember bei nur 0,7 Prozent. Die US-Notenbank strebt hingegen eine Rate von zwei Prozent an. Zudem macht einigen Mitglieder die niedrige Kerninflationsrate Sorgen.

Insgesamt zeigte sich das FOMC jedoch uneins, wann eine erste Anhebung des Leitzinses seit dem Jahr 2006 angemessen sein könnte. Trotz des zuletzt sehr robusten Arbeitsmarktes hatte die Fed in ihrem Kommentar zur letzten Sitzung davon gesprochen, dass man «geduldig» mit Blick auf die erste Leitzinsanhebung bleibe. Die meisten Mitglieder rechnen laut dem Protokoll immer noch mit einer Leitzinsanhebung im laufenden Jahr. Einige Mitglieder halten sogar eine «baldige» Leitzinsanhebung für angemessen.

Eurokurs legt zu

Die Märkte interpretieren die Fed nun aber so, dass eine Anhebung im Juni weniger wahrscheinlich geworden sei, meint der Starinvestor und Allianz-Chefwirtschaftsberater Mohamed El-Erian.

Entsprechend schwach zeigte sich der Dollar: Der Eurokurs legte nach der Veröffentlichung zum Dollar zu und stieg kurzzeitig über die Marke von 1,14 US-Dollar. Zuletzt gab er jedoch einen Teil seiner Gewinne wieder ab und wurde mit 1,1385 Dollar gehandelt. Der US-Aktienmarkt reagierte nur kurzzeitig mit einer kleinen Kurserholung. Am Markt für US-Staatsanleihen kam es jedoch zu merklichen Kursgewinnen.

(awp/ise)

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