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Finanzreform
Vollgeld: Herrscht die SNB bald allein über das Geld?

Vollgeld-Initiant Hansruedi Weber: Nur die Nationalbank soll Geld schöpfen dürfen. Keystone

Die Sammelfrist für die Vollgeld-Initiative ist heute gestartet. Hat sie Erfolg, entmachtet sie die Banken. Warum wollen die Befürworter das? Und wie positionieren sich die Gegner? Ein Überblick.

Von Dominic Benz und Mathias Ohanian
am 03.06.2014

Was will die Vollgeld-Initiative?
Heute startet die Sammelfrist für die Vollgeld-Initiative. Die Initianten wollen erreichen, dass nur noch die Nationalbank künftig elektronisches Geld erzeugen darf. Nur die Währungshüter sollen über unsere Geldmenge bestimmen. Banken soll es demnach künftig verboten sein, Kredite zu vergeben, wenn diese nicht mit entsprechenden Geldeinlagen von Sparern hinterlegt ist. Das Problem laut Verein «Monetäre Modernisierung», der die Initiative seit 2011 vorbereitet: Die Banken reichen grossteils nicht das Geld der Sparer weiter, «sondern erzeugen neues Geld sozusagen aus dem Nichts». Dafür kassierten die Banken Zinsen.

So hätte die kaufkräftige Geldmenge der Nationalbank in den letzten zehn Jahren im Schnitt 340 Milliarden Franken betragen, rechnen die Vollgeld-Befürworter vor. «Von der Nationalbank kamen die 40 Milliarden Bargeld» – die Banken hätten mit elektronischem Geld hingegen die restlichen 300 Milliarden erzeugt, so die Initianten.

Was sind die Beweggründe für die Initiative?
Entsprechend sehen die Befürworter des Vollgelds die Ursache für die Finanzkrise im heutigen Geldsystem. Laut Initianten erzeugten Banken heute rund 90 Prozent des Geldes und heizten damit als Geldproduzenten angeblich Finanzblasen an.

Nach Ansicht der Initianten hat das gegenwärtige Geldsystem zudem eine gefährliche Schuldenspirale in Gang gesetzt. Denn alles Geld gelangt heute per Kredit in den Wirtschaftskreislauf. Alle Akteure in der Wirtschaft – Bürger, Staat und Unternehmen – sind demnach auf Schulden angewiesen. Entsprechend gilt laut Initianten: «Ein Geldsystem, das auf Kredit gegründet ist, raubt uns die Freiheit.»

Was versprechen sich die Initianten?
Entsprechend hofft der Verein «Monetäre Modernisierung», dass es mit einem Vollgeld-System nicht mehr zu Finanzkrisen kommen wird. Denn künftig würde die «heutige unkontrollierte Geldschöpfung durch die Banken eingedämmt.» Zudem glauben die Initianten, dass erst das Vollgeld die von ihnen angeprangerte Schuldenspirale beenden könne.

Damit soll denn auch das Geldsystem für die Bürgerinnen und Bürger wieder verständlich werden. Denn nach der Reform wird das Geldsystem wieder so, wie es sich das Gros der Bevölkerung heute vorstellt: Das Geld kommt von der Nationalbank und die Banken sind wieder die Vermittler zwischen Sparern und Kreditnehmern.

Wie argumentieren die Gegner?
Die Einführung des Vollgeldes würde das bestehende Finanzsystem regelrecht auf den Kopf stellen. Entsprechend viele Opponenten hat die Idee: So hält etwa die liberale Denkfabrik Avenir Suisse die Risiken des Systems für schwer kontrollierbar und warnt vor irreversiblen Schäden. Einige Fachleute behaupten, die Geldmenge sei überhaupt kein guter Steuermechanismus in einer Welt, in der die Nachfrage nach Geld sehr instabil ist.

Andere Kritiker wiederum betonen, dass die Kreditinflation vor der Finanzkrise 2009 eher in der Logik der Finanzmärkte steckt – und viel weniger in der bestehenden Kreditwirtschaft. Ein valider Punkt, denn: Die Banken konnten in den vergangenen Jahren massig Kredit vergeben – in der realen Wirtschaft kamen diese aber unterdurschnittlich an.

Auf die Schweiz trifft zudem die vermeintliche Schuldenspirale nicht zu: Die Verschuldung der öffentlichen Haushalte ist mit rund 35 Prozent des Bruttoinlandprodukt (BIP) verhältnissmässig gering.

Wie geht’s weiter?
Ziel der Vollgeld-Initianten ist es, mit einem Volksentscheid an der Urne eine Änderung der Bundesverfassung zu erwirken. Dazu muss jedoch erst die Initiative zustande kommen. Die Initianten müssen daher innert einer Frist von 18 Monaten Unterschriften von 100'000 Stimmberechtigten sammeln.

Die Vollgeld-Initianten starten heute, am 3. Juni, mit der Unterschriftensammlung. Ist die Aktion erfolgreich, kann die Initiative bei den Behörden eingereicht werden. Diese reagieren manchmal mit einem Gegenentwurf.

 
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