1. Home
  2. Konjunktur
  3. Wachsender Holzanteil am Energiemix

Wachsender Holzanteil am Energiemix

Die jährliche Wachstumsrate bis zum Jahr 2020 beträgt gemäss neusten Studien 10 Prozent.

Holz: Als Ressource wird dieses bei der Suche nach Alternativen im Energiemix immer wichtiger. Zum Durchbruch verhelfen WKK-Anlagen.

Von CURT M. MAYER
am 28.04.2011

Die Biomasse ist mit einem Anteil von 10 Prozent am Weltenergieverbrauch der wichtigste erneuerbare Energieträger und weist ein beachtliches Steigerungspotenzial auf. Das gilt insbesondere auch für Holz als Energieträger in der Schweiz, wo beim Energieholz mit einem Anteil von bloss 4,1 Prozent am Endverbrauch gemäss Gesamtenergiestatistik 2009 eine markante Erhöhung möglich wäre. Dies umso mehr, als in der Schweiz mit einer bewaldeten Fläche von 1,25 Millionen Hektaren oder etwa 30 Prozent des Landes viel mehr Holz nachwächst als die jährliche Nutzung von rund 5,2 Millionen Kubimeter (gemäss Forststatistik 2008).

Bei einer Mehrnutzung von Holz für Energiezwecke rücken neben der damit erreichten Nachhaltigkeit auch technologische Lösungen für effiziente und umweltfreundliche Betriebsanlagen in den Vordergrund. Dies betrifft hauptsächlich die Feinstaubemissionen, die bei Grossanlagen durch effiziente Feinstaubabscheider minimiert werden können.

Holzheizkraftwerk Aubrugg in Zürich

Als neueste Anlage zur Nutzung der aus den Zürcher Wäldern angelieferten Holzschnitzel stand letzten Winter erstmals das Holzheizwerk Aubrugg (HHKW) in Betrieb. Das bestehende Heizwerk, eines der industriellen Wahrzeichen an der östlichen Einfahrt zur Stadt Zürich, ist mit einer neuen Holzenergieanlage für die Strom- und Wärmeproduktion nachgerüstet worden. Insgesamt 65 Millionen Franken wurden in eine effiziente Technologie für die Produktion von Strom für 10 000 Haushalte und Heizwärme für 23 000 Wohnungen investiert. Das Holzheizkraftwerk ist ein gemeinsames Projekt von Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ), Entsorgung + Recycling Zürich (ERZ) und ZürichHolz AG. Die Gesamtplanung erfolgte durch Durena AG, Lenzburg; Feuerung, Kessel, Rauchgasreinigung: Josef Bertsch GmbH&Co., Bludenz; Thermisches System, Rohrleitungen, Heikos, Luko: Caliqua AG, Basel. Dampfturbine: MAN Turbo AG, Hamburg.
Die Brennstoffleistung von jährlich 42 Megawatt wird dabei durch den grössten in der Schweiz bisher installierten Holzheizkessel mit einer Höhe von 30 Metern sowie einer Dampfturbine mit Generator erzeugt. Als Brennstoff werden ausschliesslich naturbelassene Holzschnitzel (sogenanntes Durchforstungsholz und Kronenholz aus dem Wald sowie Landschaftspflegeholz und Sägerei-Restholz) verwendet. Der jährliche Primärenergiebedarf an Holzhackschnitzel wurde mit rund 177 Millionen Kilowattstunden berechnet. Das nachhaltig nutzbare Energieholzpotenzial im Kanton Zürich wird auf rund 950 000 Kubikmeter Schnitzel pro Jahr beziffert.

Wie die Erfahrungen mit der während der ersten Heizperiode in Betrieb stehenden Anlage zeigen, ist die Effizienz höher als erwartet. «Von errechneten 265 000 Kubikmeter Schnitzelholz ist eine um 20 Prozent geringere Menge nötig», gibt sich Rolf Jenni, HHKW-Geschäftsführer, positiv überrascht. «Die Holzschnitzel enthalten weniger Wasser, wodurch ihr Heizwert höher ist und womit ein Wirkungsgrad von 90 statt der erwarteten 89 Prozent erreicht werden kann.»

Energiezentrale Forsthaus Bern

Eine in ihrer Konstellation bisher einzigartige Strom- und Wärmeproduktion wird mit der neuen Energiezentrale Forsthaus in Bern von Energie Wasser Bern (EWB) umgesetzt. Die Kombination der Kehrichtverwertung mit einem Holzheizkraftwerk (HHKW) sowie einem Gas- und Dampf-Kombikraftwerk (GuD) sei ein schweizweites Pionierprojekt. Die neue KVA verwerte Kehricht und Holz aus der Region und erzeuge daraus CO2-neutrale Energie in der Form von Fernwärme, Strom und Dampf, betont André Moro, Präsident der Baukommission und Leiter Energiewirtschaft von EWB. Die Kapazität des Holzheizwerks beträgt 112 000 Tonnen, die produzierte Strommenge erreicht 33 000 Megawattstunden. Der Investitionsbedarf für die neue Gesamtanlage erreicht rund 500 Millionen Franken.

Bei der CO2-neutralen Verbrennung von Holz im HHKW sowie bei der Verbrennung von Erdgas entstehen Dampf und Fernwärme. Mit dem Dampf wird in einer zweiten Turbine noch mehr Strom erzeugt, und das heisse Wasser wird ebenfalls ins Fernwärmenetz eingespeist. Gemäss den Überlegungen von EWB dient die Fernwärmeerzeugung mit Gas und Holz zur Abdeckung der Spitzenlast im Winter und in der Übergangszeit sowie bei einem Ausfall der KVA. Die KVA Forsthaus wird mit einem Biomasse-Kraftwerk sowie einer Gasturbinen-Kesselanlage ausgerüstet. Diese ist Teil eines Combined-Cycle-Kraftwerks, welches heisse Abgase einer Strom erzeugenden Gasturbine dazu nutzt, Dampf zu generieren. Dieser treibt eine Dampfturbine an, die ebenfalls Strom erzeugt. Nach Angaben des Anlagenlieferanten, der Firma Bertsch Energy, Bludenz, lässt sich damit der Wirkungsgrad auf etwa 50 Prozent anheben. Das Combined-Cycle-Kraftwerk hat eine Leistung von 67 Megawatt elektrisch und ist in der Lage, 117 000 Haushalte mit einem durchschnittlichen Stromverbrauch von 4000 Kilowattstunden/Jahr zu versorgen.

Holzenergie-Fakten

ZunahmeVom Total des Endverbrauchs aller Energieträger in der Grössenordnung von 877 600 Terajoules entfielen 2009 rund 35 700 Terajoules auf Holzenergie. Das entspricht gegenüber dem Vorjahr einer Zunahme um 2,1 Prozent und bedeutete laut Holzenergiestatistik 2010 einen Anteil von 4,1 Prozent am gesamten Endenergieverbrauch. Dafür wird ein effektiver Holzumsatz von 4,13 Millionen Kubikmeter ausgewiesen. Von dem gemäss Holzstatistik witterungsbereinigten Holzumsatz 2009 von 3,9 Mio Kubikmeter werden zurzeit 63 Prozent als Waldholz, 22 Prozent als Restholz, 6 Prozent als Pellets und 9 Prozent als Altholz energetisch genutzt. Der gesamte Bestand an Holzfeuerungen betrug 2009 rund 675 000 und hat damit leicht abgenommen, hingegen hat die Zahl der automatischen Feuerungen um 2,5 Prozent auf 6676 Anlagen zugenommen. Zu den bisher sechs Wärme-Kraft-Kopplungs-Anlagen in der Schweiz kam ab Oktober das neue Holzheizkraftwerk Zürich Aubrugg hinzu.(CM)

Im Holz unserer Wälder liegt ein grosses Energiepotenzial brach, das aufbereitet als Schnitzel in modernen Wärme-KraftKopplungs-Anlagen wie dem Holzheizwerk Zürich Aubrugg effizient genutzt werden kann.

Anzeige