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Konjunktur
Wachstum in der US-Industrie schwächelt

Hafen von Los Angeles: Wachstum gebremst. Keystone

Die Stimmung in der US-Industrie sinkt auf den tiefsten Stand seit knapp zwei Jahren. Und auch der Jobmarkt schwächelt im März. Analysten sehen dennoch eine positive Entwicklung.

Veröffentlicht am 01.04.2015

In der US-Industrie hat sich die Stimmung im März überraschend weiter eingetrübt und den tiefsten Stand seit fast zwei Jahren erreicht. Mit dem ISM-Index fiel das wichtigste amerikanische Konjunkturbaromater von 52,9 Punkten im Vormonat auf 51,5 Zähler, wie das Institute for Supply Management (ISM) am Mittwoch in Washington mitteilte. Das ist der fünfte Rückgang in Folge und der tiefste Stand seit Mai 2013. Bankvolkswirte hatten zwar mit einem Rückgang gerechnet, aber nur auf 52,5 Punkte.

Am Devisenmarkt geriet der US-Dollar nach Veröffentlichung der Daten etwas unter Druck, während die Kurse amerikanischer Staatsanleihen weiter stiegen. Nach Einschätzung des Experten Christian Schulz von der Berenberg Bank leidet die US-Industrie unter einem starken Dollar. In den vergangenen Monaten hatte die Aussicht auf steigende Zinsen in den USA und eine gleichzeitig extrem expansive Geldpolitik in der Eurozone der US-Währung starken Auftrieb gegeben.

Enttäuschende Konjunkturzahlen

Der überraschende Stimmungsdämpfer in der US-Industrie ist kein Einzelfall. «Die Kennzahlen reihen sich in die zuletzt überwiegend enttäuschenden US-Konjunkturdaten ein», sagte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank aus Liechtenstein. Seiner Einschätzung nach dürften die jüngsten Konjunkturenttäuschungen zwar auch auf den ungewöhnlich kalten Winter zurückzuführen sein. «In der Gesamtschau bleibt aber der Eindruck, dass es zuletzt in der US-Wirtschaft nicht ganz rund lief», so Gitzel.

Der ISM-Index gilt als zuverlässiger Frühindikator für die wirtschaftliche Aktivität in den USA. Indexstände von über 50 Punkten signalisieren eine wirtschaftliche Belebung, während Werte darunter auf einen Rückgang hinweisen. Der Indikator deutet damit trotz des mehrfachen Rückgangs immer noch auf Wachstum hin.

US-Firmen schaffen weniger Stellen als erwartet

Ebenso ist es mit den Arbeitslosenzahlen: Zwar haben die US-Firmen im März weniger Stellen geschaffen als erwartet. Insgesamt entstanden 189'000 neue Jobs, wie der private Arbeitsvermittler ADP zu seiner am Mittwoch veröffentlichten monatlichen Umfrage mitteilte. Dies war der schwächste Zuwachs seit Januar 2014.

Der Arbeitsmarktbericht der Regierung, der auch staatliche Jobs erfasst, wird am Karfreitag erwartet. Für den Bericht wird ein Plus von 245'000 Jobs erwartet. Ökonom Ulrich Wortberg von der Helaba interpretiert die ADP-Zahlen als Signal, dass sich die Erholung des US-Arbeitsmarktes fortsetzt, auch wenn Experten eine noch höhere Zahl erwartet hatten.

Fed schaut auf den Arbeitsmarkt

Die US-Notenbank Federal Reserve blickt mit besonderem Interesse auf diese Daten, weil sie mit ihrer Geldpolitik Vollbeschäftigung fördern soll. Da sie sich diesem Ziel allmählich nähert, will die Fed die historisch niedrigen Leitzinsen von 0 bis 0,25 Prozent in diesem Jahr anheben. Viele Experten rechnen im Juni oder in den späteren Sommermonaten damit.

(awp/sda/me)

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